Juli 22, 2018

PRESSE

JUNGE CHIEMSEER BÜHNE BEGEISTERT

Leberkaskönig erobert Grabenstätt

Grabenstätt. – Umjubelte Aufführungen feiert zurzeit die Junge Chiemseer Bühne Grabenstätt mit ihrem dramatischen Lustspiel „Der Leberkaskönig oder die unendliche Weisheit aus dem Rohr“ des Breitbrunner Autors Sebastian Huber.

Theaterurgestein Gerhard Brusche hatte die Regie erst vor einigen Wochen von Max Berger übernommen und brachte sein bunt gemischtes Ensemble aus erwachsenen Darstellern, Jugendlichen und Kindern in Bestform.

Das knapp zweistündige Stück handelt von dem Metzgergesellen Franzl (Michael Hofmann), der unsterblich in die hübsche Metzgertochter Tina (Sophia Biller) verliebt ist. Als sich das ganze Dorf auf den 100. Geburtstag vom Wimmer Schorsch (Gerhard Brusche) vorbereitet, wittert der stimmgewaltige Franzl seine ganz große Chance.

Mit einer „Leberkas“-Installation für 130 Leute will das Metzgertalent das Herz seiner Angebeteten erobern. Unzählige Kilo an Brät wandern zusammen mit ein paar Spritzern Weihwasser in den Ofen. Und siehe da, es kommt zur Sensation, nur eben ganz anders als Franzl sich das gedacht hatte, denn plötzlich sitzt er leibhaftig im Rohr, der fleischgewordene Leberkaskönig oder „da King“, wie er von allen nur noch genannt wird – authentisch verkörpert von Andi Meier mit Zwirbelbart, goldener Krone und einem schelmischen Grinsen im Gesicht.

Der Leberkas lebt und spricht und nichts mehr ist so wie es war im Leben von Franzl und der Metzgerfamilie Pröbstl. Besonders in Erinnerung bleibt auch die Motorrad-Reise des Leberkaskönigs mit Franzl ins Paradies, bei der sie in eine skurrile Polizeikontrolle geraten.

Die Ankunft auf den Dolomiten, dem „Dach der Welt“, wurde dann von Sängerin Magdalena Paar unter dem Sternenhimmel stimmungsvoll begleitet. Das ging unter die Haut.

Ebenfalls großartig die Gesangsszene in der Wurstküche mit Hauptdarsteller Hofmann (Franzl) und seiner kongenialen Duettpartnerin Biller (Tina) – eine Nummer mit sehr viel Gefühl.

Einige Jugendliche meisterten sogar Doppelrollen mit Bravour. Publikumsliebling Schorschi Krutzenbichler wurde als Mike und Polizeihauptkommissar gefeiert, Leo Appelmann überzeugte als Nachrichtensprecher und Polizist, Melanie Deuflhart als Frau Huber-Mergentrat und Reporterin und Ava Erdmann als russische Agentin und Reden-schwingende Urenkelin an der Festtafel.

In den weiteren Rollen glänzten Eva Langenwalter als krachert-boarische Kundin Anne Schneider, die herrlich schwäbelnde Yvonne Kuhlmann als Kundin Frau Dögerl, Simon Jendrischewski als Metzgermeister Pröbstl, Magdalena Paar als dessen Ehefrau Melanie Pröbstl, Vroni Loider als verführerische russische Botschafterin, Rudi Rett als Pfarrer sowie Elisabeth Biller und Keanu Czarski als Agenten.

Am Ende gab es tosenden Applaus und Jubel. Für den Erfolg mitverantwortlich sind Produktionsleiterin Doris Biller und musikalischer Leiter Fritz Federkiel.

Quelle OVB

»Folk & More« begeistert beim Benefizkonzert in Grabenstätt

Hits und Evergreens auf eigene Art

Mit bekannten Folksongs, Evergreens, eigenen Arrangements und Liedern begeisterten Michael Schankweiler aus Grabenstätt und Resi Mühlbacher aus St. Leonhard bei ihrem Benefizkonzert für den Förderverein »Reiten für Behinderte« in der Theater-Strickerei Grabenstätt. Unterstützt wurden sie bei einigen Liedern von Mühlbachers Tochter Ramona (rechts). (Foto: Müller)

Ein umjubeltes Benefizkonzert für den Förderverein »Reiten für Behinderte« gab die Band »Folk & More« mit Michael Schankweiler aus Grabenstätt und Resi Mühlbacher aus St. Leonhard in der bis auf den letzten Platz besetzten Theater-Strickerei in Grabenstätt.


Rekordverdächtige 95 Besucher hatten sich trotz Fußball-WM eingefunden. Das kongeniale Duo Schankweiler und Mühlbacher spielte Folksongs im Stil von Neil Young und Bob Dylan und legendäre Evergreens. Präsentiert wurden auch viele eigene Stücke aus der Feder von Schankweiler, der nicht nur gesanglich überzeugte, sondern auch als Gitarrist und Klaviervirtuose. Bassgitarristin und Sängerin Mühlbacher stand ihm in nichts nach – sie harmonierten prächtig.

Eröffnet wurde das gut zweistündige Konzertprogramm mit dem Evergreen »The Boxer« von Simon & Garfunkel. Es folgten viele weitere Songs, die Schankweiler und Mühlbacher auf ihre eigene, unverwechselbare Art interpretierten. Ob nun Reinhard Meys »Ich bin aus jenem Holze geschnitzt«, Neil Youngs »Harvest« oder »Nieder mit dem Freibier« von Fredl Fesl – die Zuhörer waren hörbar begeistert und amüsiert. Unterstützung erfuhren sie immer wieder von Mühlbachers talentierter Tochter Ramona. Ausgestattet mit einer ungemein ausdrucks- und gefühlvollen Stimme wird man sicherlich noch viel von der jungen Sängerin hören.

Als Überraschungsgast trat der mit »Folk & More« befreundete Musiker Günter Ermann aus Nürnberg auf. Der »fränkische Barde«, wie ihn Moderator Schankweiler bezeichnete, ging seit 2016 bereits zweimal beim »Deutschen Rock und Pop Preis« als Gewinner hervor. »Auf dich baua« war sein Lied des Abends, das zu dritt vorgetragen wurde. Mit der Zugabe »Bergwerk« von Reinhard Fendrich trafen Resi und Ramona Mühlbacher das Publikum tief ins Herz, bevor sich Schankweiler mit den beiden noch gekonnt und mit eigener Note bei seinem Vorbild Neil Young mit dem Song »Comes a Time« verbeugte.

Der Konzert-Reinerlös von 933 Euro kommt nun in vollem Umfang dem Förderverein »Reiten für Behinderte« zugute. »Unser Förderverein wurde vor 18 Jahren gegründet, als die Krankenkassen die Reittherapie aus ihrem Heilmittelkatalog gestrichen haben und die Kosten für die Therapie von nun an selbst getragen werden mussten«, betonte Schriftführerin Angelika Drost und erinnerte daran, dass viele Menschen mit einer körperlichen, geistigen oder psychischen Einschränkung die Kosten für eine kontinuierliche Therapie nicht aufbringen könnten.

»Die Reittherapie in ihren verschiedenen Formen ist eine einzigartige Therapie, die durch keine andere ersetzt werden kann«, so Drost. Die Einzigartigkeit sei das Pferd als Co-Therapeut mit all seinen Sinnen und Reaktionen. Es nehme den Menschen, der ihm begegne, so an, wie er sei und zeige ihm wertfrei durch sein Verhalten, ob die Verständigung klappe. Auch ältere, therapiemüde Kinder und Jugendliche, die von Kindheit an in Behandlung seien, kämen mit Begeisterung zur Reittherapie. Derzeit bezuschusst der Förderverein etwa 60 Menschen mit 50 Prozent der entstandenen Kosten. Markus Müller

Grabenstätt

Temperamentvoller Jazz-Abend in der Theater-Strickerei:

 
Das Quartett „SCOT Rainbow“ hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren im Chiemgau und Rupertiwinkel mit großartiger Jazzmusik einen Namen gemacht. Auch bei ihrem Auftritt in der Grabenstätter Theater-Strickerei wussten die vier erfahrenen Musik
 

„SCOT Rainbow“ begeisterte mit legendären Jazz-Hits aus den 1940er, 50er und 60er Jahren

Einen musikalisch belebten und schwungvollen Jazz-Abend genossen die Besucher mit der vierköpfigen Männer-Band „SCOT Rainbow“ aus dem Rupertiwinkel in der Theater-Strickerei. Der interessante Bandname „SCOT Rainbow“ steht als Abkürzung für „Swinging Colour Of The Rainbow“ – eine passende Namenswahl, denn beim Konzert wurde dem begeisterten Publikum, das überwiegend aus waschechten Jazz-Fans bestand, ein breites Musikspektrum geboten: Zum fetzigen Swing gesellten sich Jazz-Blues, Bossa-Nova und heiße Latin-Grooves. Hinzu kamen getragene, ruhige und emotional-melancholische Balladen sowie wunderbare Eigenkompositionen aus der Feder des erstklassigen Saxophonisten Josef Ramelsberger.

Vor etwa eineinhalb Jahren trafen Gitarrist Harry Abel und Saxophonist Josef Ramelsberger zufällig aufeinander. Schnell war der Entschluss gefasst „Mia meng z’am spuin“ und so waren dann auch bald die weiteren Bandmitglieder gefunden: Der erfahrene Bassist Franz Ganser und der Schlagzeuger Markus Kratzer – das Nesthäckchen unter den vier „gstandenen Mannsbuildern“, mit der größten Bühnenerfahrung. Aber natürlich hatten auch die anderen drei Musiker bereits vor der „SCOT Rainbow“-Gründung reichlich Erfahrungen in anderen Bands gesammelt.

„SCOT Rainbow“ passte perfekt in das Ambiente der chicen Grabenstätter Kleinkunstbühne und erfüllte diese klangvoll mit abwechslungsreichem schwarzen und weißen Jazz. Ramelsberger brillierte einerseits als Saxophonist, wobei er seine drei „Kids“ – ein gebogenes Sopran-Saxophon, ein mittelgroßes Alt-Sax und ein großes Tenor-Saxophon – bestens im Griff hatte. Andererseits belebte er die Bühne auch mit seiner locker-witzigen Anmoderation, die das Publikum immer wieder zum Lachen brachte. Dabei erfuhr man eine Menge über die unvergessene Jazz-Ära sowie ihre legendären Jazz-Musiker und Komponisten, die oft auf dramatische Weise in jungen Jahren der Welt verloren gingen. Nicht aber ihre Musik, die sie als kostbares Erbe der Nachwelt hinterließen.

Los ging es mit dem Jazz-Standard „Bag’s Groove“ von Milt Jackson, bei dem sich die Band mit ihren Zuhörern richtiggehend eingroovte. Es folgten garniert mit teils heiteren, teils schaurigen Anekdoten aus dem Leben der Jazz-Legenden Stücke mit unterschiedlichem Musikcharakter: zuerst – als Medley gespielt – der „Bossa Antigua 1“ von Paul Desmond sowie der sehr schöne, gefällig ins Ohr gehende „Samba Cartina FG“ von Gustaf Anderson. Für Begeisterung sorgte auch das witzig moderne Stück „Four“ des berühmten Jazz-Trompeters Miles Davis. Sein bekanntestes Studio Album „Kind of Blue“ gilt als Meisterstück im Jazz und „bestes Album aller Zeiten“. Herzblut-Saxophonist Ramelsberger und Vorzeigegitarrist Harry Abel überzeugten auch als Solokünstler. Beim gefühlvollen Stück „I remember Clifford“, das Benny Golson für seinen viel zu früh verstorbenen Musiker-Freund Clifford Brown komponiert hatte, sorgte man für eine außergewöhnlich emotionale Stimmung, die die Zuhörer in ihren Bann zog und in eine nostalgische Welt der Jazz-Musik entführte. Zu Hochform lief Schlagzeuger Kratzer beim Song „In walked Bud“ von Thelonious Monk auf. Das melodiöse Stück „Nature Boy“ interpretierte man als klassischen Rumba mit perfektem synchronen Zusammenspiel. Anschließend spielte Ramelsberger ein selbstkomponiertes Jazz-Stück, das seinem Namen alle Ehre machte: „Der Witz“ war musikalisch modern und voller verrückter, unerwarteter Pointen, kurzum: pfiffig, beschwingt und heiter.

Nach einer kurzen Pause ging es mit dem Esprit geladenen Song „Five Spot after Dark“ von Benny Golson weiter, gefolgt von Gerry Mulligan’s „Line for Lyons“, bei dem Ramelsberger sein großes Tenor-Saxophon zückte und abwechselnd mit E-Gitarrist Abel erstklassige Soli ablieferte. Bei Ramelsbergers zweiter Eigenkomposition „Zuckerwalzer“ wurde das Publikum in gefühlvoll schwingende Melodien eingehüllt, zu konstant sanften Beats von Kratzer, der mit speziellen Jazz-Brushes sein Schlagzeug erklingen ließ. Weitere Höhepunkte waren der spritzig-fetzige Evergreen „Yardbird Suite“ von Charlie „Bird“ Parker und Benny Golson-Jazzklassiker „Whisper not“. Lautstarker Applaus war der verdiente Lohn. Nach dem letzten Stück „Don’t get around much“ von Duke Ellington erklatschte sich das begeisterte Publikum noch die beiden Zugaben „Sandu“ von Clifford Brown und „East of the Sun, RJ1“ von Brooks Browman. Stimmungsvoller hätte man den gelungenen, unbedingt zu wiederholenden Jazz-Abend nicht ausklingen lassen können.

Bericht und Bild vom örtlichen Presseberichterstatter Markus Müller und Patricia Burkhart.
Grabenstätt

Theater-Strickerei – Piper

 
Der ehemalige Lehrer Martin Piper befindet sich seit vergangenem Jahr im (Un-)Ruhestand und an diesem lässt der dienstälteste Liedermacher der Region seine Fans, darunter auch viele ehemalige Kollegen und Schüler, gerne teilhaben. Zuletzt wusste er in
 

„Wär doch gelacht“

Ex-Realschullehrer Martin Piper erobert im Ruhestand als Liedermacher die Bühnen

Was haben Lehrer und alleinunterhaltende Liedermacher gemeinsam? Sie brauchen immer ein Publikum mit dem sie kommunizieren, lachen und frotzeln können. Und wenn ein Lehrkörper nach rund 40 Jahren nerven- und kräftezehrendem Anstaltsdienst in den verdienten Ruhestand verabschiedet wird, ist es natürlich für ihn selbst und besonders für sein unmittelbares Umfeld von großem Vorteil, wenn er noch ein Alternativ-Standbein auf den hiesigen Kleinkunstbühnen hat, auf denen er sich kreativ austoben und etwaige Entzugserscheinungen und Sinnkrisen schon im Keim ersticken kann. Der frische gebackene Ex-Realschullehrer und langjährige Liedermacher Martin Piper macht es vor und feierte mit seinem aktuellen Programm „Wär doch gelacht“ in der Grabenstätter Theater-Strickerei einen erfrischend bunten und alles andere als oberlehrerhaften Auftritt. „Wenn alles stöhnt und einer lacht, hat Piper einen Witz gemacht“ – unter diesem Motto hatte der „Berufsoptimist“ Piper mit seiner herzlichen Art und positiven Ausstrahlung 36 Jahre seine Schüler auf seine Weise unterrichtet und auf das „harte Leben“ vorbereitet – seit 1982 unter anderem als Deutsch- und Geschichtslehrer an der Realschule in Bad Aibling und in den letzten Jahren an der Maria-Ward-Mädchenrealschule Sparz in Traunstein. In Wirklichkeit hat Lehrer Piper freilich so gut wie nie alleine gelacht. Auch bei seiner kurzweiligen Theater-Strickerei-Premiere hatte er die Lacher stets auf seiner Seite und begeisterte mit einem schier unerschöpflichen Repertoire an Musikstücken, Liedern, Aphorismen und Witzen, garniert mit viel Improvisationsvermögen und reichhaltiger Lebenserfahrung. Seinen Zuhörern wird schnell klar, der Ex-Pauker ist keiner, der sich verbiegen lässt, er ist authentisch, steht für seine Überzeugungen ein und kämpft, soweit es ihm möglich ist, seit jeher für eine bessere Welt. So wie einst als Unterstützer einer griechischen Studentenorganisation im Kampf gegen die Militärjunta, was ihm Ende der 70er Jahre ein Berufsverbotsverfahren einbrachte, als leidenschaftlicher Musiker bei Gewerkschaftskundgebungen oder zum Beispiel auch als aktives Mitglied beim Bund Naturschutz, wo er unter anderem die Ortsgruppe Seeon-Seebruck mitbegründet hat. „Meine Schülerinnen in Sparz waren mir oft fast zu brav“, ließ Piper mit einem Schmunzeln verlauten – Lehrerprobleme mal ganz anders. Mit viel Witz und Charme führte Piper durch einen unvergesslichen musikalischen Abend, der durchaus auch mal gesellschaftskritisch und etwas politisch wurde. Großartig seine in jungen Jahren verfasste sarkastische Ballade vom lebenslangen Rentner und über das Älterwerden sowie die beiden zum Besten gegebenen Lieder „Wie wär`s“ oder „Lass es sein“ – zwei der vielen von Piper ins Deutsche übersetzten englischsprachigen Songs, in dem Fall John Lennons Welthit „Imagine“ und der Beatles-Evergreen „Let it be“. Ein weiteres Highlight waren die Aufsatz-Stilblüten einiger seiner ehemaligen Schüler, mit denen Autor Piper locker ein weiteres Buch füllen könnte. Besonders angetan haben es ihm seit jeher seine literarischen Vorbilder und Lieblingssatiriker Kurt Tucholsky und Erich Kästner, deren Texte auch heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben – auch davon konnten sich die Theater-Strickerei-Besucher überzeugen. Inspiriert von Songwritern der späten 60er und 70er Jahre wie Bob Dylan und Donovan hatte Piper vor rund 50 Jahren angefangen Gitarre und Mundharmonika zu spielen. Die Musik ließ ihn nie mehr los. Gleiches gilt für seine zweite große Leidenschaft, das Verfassen von Prosatexten, Liedern und Gedichten. Pipers Kleinkunstbühnen-Karriere begann einst in der Münchner Liedermacherszene um Hanns Meilhamer und Konstantin Wecker. Nach berufsbedingten Pausen feierte er dann in den frühen 90er Jahren sein Comeback und jetzt im Ruhestand kann er sich nun – neben seinem kleinen Sohn – ganz der Musik und Kunst widmen. Jung und Alt werden es ihm danken und sich noch viele Zugaben erklatschen – wär doch gelacht!

Bericht und Bild vom örtlichen Presseberichterstatter Markus Müller.
Marlies und Erwin E. Appenzeller begeistern bei Konzertdebüt in der Theater-Strickerei

Mit Jazzballaden gemeinsam auf der Bühne

Marlies und Erwin E. Appenzeller begeisterten die Besucher ihres Liederabends in der Grabenstätter Theater-Strickerei mit großartigen Jazz-Klängen. (Foto: Müller)

Sie sind beide leidenschaftliche Musiker und Sänger und gehen seit vielen Jahrzehnten als Ehepartner gemeinsam durchs Leben, doch zusammen auf der Bühne stehen sie erst seit rund drei Jahren. Die Rede ist von Marlies Appenzeller und Erwin E. Appenzeller, die eigentlich ganz unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen angehören und diesen seit jeher frönen.


»Ich bin ja Jazzmusiker, während meine Frau aus dem klassischen Bereich kommt, doch jetzt wo ich im Ruhestand bin, haben wir uns entschieden, es mal gemeinsam zu probieren«, erzählte der ehemalige Schulleiter des Staatlichen Landschulheims Marquartstein in der bis auf den letzten Platz besetzten Grabenstätter Theater-Strickerei. Nicht nur seine legendäre Jazz-Lehrerband ist bis heute unvergessen, auch vielen Schülern hat er im Laufe seines Paukerlebens die Liebe zur Jazzmusik vermittelt und das als Mathe- und Physiklehrer. Auch beim Jazz-Liederabend sprang der Funke schnell auf das Publikum über.

Marlies Appenzeller sang wunderbare Jazzballaden aus dem Repertoire von Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Meschiya Lake und anderen Sängerinnen der Swing-Ära und ihr Mann begleitete sie gekonnt am Piano. Nicht nur die Jazz-Ohrwürmer wie »Basin Street Blues« und »On the Sunny Side of the Street« luden zum Loslassen und Träumen ein, sondern auch die klangvollen Instrumentalstücke von Erwin E. Appenzeller. Bei »Just a Gigolo« wusste dieser in bester Louis Armstrong-Manier auch als Sänger zu überzeugen. Großartig war auch der mutige Spontan-Auftritt von Besucher Alfred, der nach einer kurzen fachlichen Anleitung von Appenzeller mit diesem dreihändig Klavier spielte und sich dann vom Publikum feiern lassen durfte. Bereichert wurde der Konzertabend zudem von den kurzweiligen Hintergrundgeschichten und Überleitungen des wandelnden Musiklexikons und Klavier-Improvisationskünstlers Erwin Appenzeller, der beim Song »These Foolish Things« »immer saumäßig aufpassen muss, um nicht in die Puccini-Oper reinzurutschen«, wie er schmunzelnd anmerkte.

Auch ohne Puccini wird der Jazz-Balladenabend allen noch lange in Erinnerung bleiben und vielleicht auch eine Fortsetzung finden, denn das Jazz-Repertoire der Appenzeller ist riesig. Der Bitte von Marlies Appenzeller, für die Aktion »Grabenstätter Christkindl« zu spenden, mit der vor Ort bedürftigen Menschen geholfen wird, kam man gerne nach. Markus Müller

»LifveChords« begeistern in der Theater-Strickerei mit »Blues, Swing, Jazz & more«

Musikalische Reise zu den Wurzeln

»Life« steht für das Leben, »live« für echte handgemachte Musik und »Chords« für Harmonie – bei den »LifveChords« ist bereits der Name Programm. (Foto: Müller)

Mit einer alten Dampflokomotive nahmen die vier Ausnahmemusiker der »LifveChords die Besucher in der Theater-Strickerei Grabenstätt mit auf eine außergewöhnliche, musikalische Zeitreise in die amerikanischen Südstaaten zu den Wurzeln des Blues, Jazz und Swing, mitten ins Herz von New Orleans, wo bekanntlich alles begann.


Frontfrau Rayka Emmé und ihre kongenialen Kollegen Nikolaus Stigloher, Sebastian »Sebi« Ludwig, Sepp »Guiseppe« Watzlawick und Raphael Lichius bescherten ihren Gästen einen Abend mit ganz großen Gefühlen – zum Träumen, Entspannen und Loslassen. Neben Klassikern wie »Sentimental Journey« (Les Brown), »Basin Street blues« (Spencer Williams), »St. Louis Blues«, »Sweet Georgia Brown«, »Doctor Jazz« (Joe »King« Oliver), »Sunny side of the street«, »Let’s get drunk again« und »What a wonderful world« begeisterten sie auch mit wunderschönen Eigenkompositionen wie »Louisiana Love«, »Intime Momente«, »I feel so blue«, »Addicted«, »Sometimes« und »All I need is Blues«, die sich größtenteils auch auf der neuen »Sentimental Journey«-CD befinden.

Ihr musikalischer Fundus ist riesig und so reihte sich ein klangvoller Höhepunkt an den anderen. Bereichert wurde das Konzert von einer Bildershow, einem kurzen Zeichentrickfilm und Emmés spannenden Geschichten hinter den Menschen. »Ohne die Schwarzen hätte es den Blues und den Jazz nicht gegeben«, stellte sie klar und erinnerte an die Ankunft des ersten Sklavenschiffes 1619 in Amerika und an die folgenden rund 300 Jahre Ausbeutung und Unterdrückung. Mitte der 1920er Jahre hätten dann weiße Musiker den Jazz für sich entdeckt. Nach der Erfolgswelle des Swing (1930/40er Jahre) habe dann in den 1950er Jahren der Rock’n’Roll seinen famosen Siegeszug angetreten.

Ein Markenzeichen der »LifveChords« ist, dass sie alles selber machen, eine Selfmade-Band, wie sie im Buche steht. Die facettenreiche Künstlerin Emmé singt nicht nur für ihr Leben gern – vorwiegend auf Englisch, aber auch auf Deutsch und Französisch –, sondern sie ist unter anderem auch eine begeisterte Zeichnerin. Neben ihren sehenswerten Porträtbildern konnten die Besucher zudem immer wieder feine Aquarelle von Bandbegründer und Kontrabassist Nikolaus Stigloher bewundern – natürlich stets thematisch passend zu den Songs und Geschichten, denn bei den »LifveChords ist alles bis ins Detail durchdacht, nichts wird dem Zufall überlassen.

Sänger und Ex-Hard-Rocker Sebastian »Sebi« Ludwig ist nicht nur der Vater vieler »LifveChords«-Songs, sondern auch ein grandioser Gitarrist. Vervollständigt wird die Band von Sepp »Guiseppe« Watzlawick, der am Cajon/Percussion den Rhythmus angibt und auch singt, sowie dem Multiinstrumentalisten Raphael Lichius, der nicht nur das Piano in Perfektion beherrscht. So verliehen seine Mundharmonika-Künste Ludwigs großartiger Eigenkomposition »Bavaria« zum Ende des offiziellen Programms eine ganz besondere Note – was für eine denkwürdige Hommage an unsere bayerische Heimat.

Feierabend hatten die fünf gefeierten Ausnahmemusiker damit aber noch lange nicht, denn ohne Zugaben wollten die begeisterten Zuschauer sie nicht gehen lassen. Am Ende gab es sogar noch vier Lieder obendrauf, darunter »Die Katze«, »Summer Time« und »San Francisco Bay Blues« von Eric Clapton. Markus Müller

Grabenstätt

Weltgeschichtentag

 
Mit einer faszinierenden bunten Vielfalt an Geschichten, die so gar nichts Märchenhaftes, sondern etwas ganz Lebensnahes und Erfrischendes in sich hatten, begeisterten die Erzähler Annette Hartmann (von links), Lisa Sonderhauser, Klara Führen, Angelik
 

„Wie Dummheit und Weisheit auf die Welt kamen“: Erzählerin Annette Hartmann begeisterte am Weltgeschichtentag mit Kollegen in der Theater-Strickerei Grabenstätt

Seit 14 Jahren gibt es den Weltgeschichtentag, bei dem am oder um den 20. März herum weltweit Geschichten erzählt werden. In der Theater-Strickerei Grabenstätt war es der professionellen Erzählerin, Theaterpädagogin und interkulturellen Trainerin Annette Hartmann und ihren Kollegen Klara Führen, Lisa Sonderhauser, Angelika Dollner, Andreas Rohn und Nikola Sihon vorbehalten, das Publikum mit ihrem bunten Erzählprogramm „Wie Dummheit und Weisheit auf die Welt kamen“ zu begeistern. Es ging um weise Narren und Dummköpfe und um die Frage, ob Dummköpfe wirklich dumm sind und Weise immer schlau. Bei der gemeinsamen Suche nach dummen, gescheiten und weisen Narren stellte sich die Frage, wie man einen Narren aus Chelm erkennt oder einen der Nachfahren der Bürger von Schilda. „Erkennt man sie daran, dass sie mit sich immer zufrieden sind, aber nie mit dem, was sie tun?“, fragte die Initiatorin und Leiterin des Projektes Annette Hartmann in die Runde. Andreas Rohn zog die Zuhörer mit seinen humorvoll vorgetragenen Geschichten und seiner lebendigen Mimik und Gestik in seinen Bann. Angelika Dollner überzeugte mit ihrem schwäbischen Dialekteinschlag in der Story von dem Richter, der es nicht fertigbrachte, kleine, große oder mittlere Kartoffeln zu sortieren. Humorvoll aufs Korn genommen wurde dabei insgeheim die intellektuelle Zunft, die in den praktischen Dingen des Lebens oft kläglich scheitert. Lisa Sonderhausers erzählerisches Markenzeichen ist die bairische Mundart, mit der sie auch in Grabenstätt schnell einen direkten Draht zum Publikum herstellte. Im deutsch-türkischen Tandem erzählte Klara Führen mit Nikola Sihon drei Geschichten des berühmten Hodscha, der im gesamten Orient in diversen Formen seine Narrenweisheit zum Besten gibt, Menschen provoziert, zum Narren hält und sich sogar Späße mit den Mächtigen erlaubt. Da überraschte es schon, dass Sonderhausers boarischer Peter noch schlauer war als der Hodscha selbst. Mit ihren unverwechselbar vorgetragenen verschmitzten und hintersinnigen Geschichten wusste Annette Hartmann vollends zu begeistern. Am Ende fanden sich die Erzähler in verteilten Rollen zu der Geschichte von „Hans im Glück“ zusammen und jeder Gast konnte selbst entscheiden, ob der Hans nun weise, dumm oder einfach naiv und glücklich ist. Als Zugabe sollten die Erzähler aus willkürlich zugerufenen Begriffen aus dem Publikum eine improvisierte Geschichte mit Sinn und Verstand erschaffen – es gelang ihnen mit Bravour. Die Gäste bekamen an diesem Abend ein ganz neues Bild von dem, was Erzähler machen und wer nun selbst auf den Geschmack gekommen ist, kann die Kunst des Erzählens bei Annette Hartmann (Schule der Künste in Frasdorf) erlernen. Klang- und phantasievoll umrahmt wurde das kurzweilige Programm von den Geigerinnen Marie-Theres Härtel und Sophia Biller mit frei improvisierter Musik.

Bericht und Bild vom örtlichen Presseberichterstatter Markus Müller.

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Die Band Cotton Rich und die Ivy Leaf Irish Dancers machten dem irischen Nationalfeiertag St. Patrick`s Day in der voll besetzten Theater-Strickerei Grabenstätt mit irischen Folksongs und Irish Stepdance alle Ehre. Was für ein großartiger Premierenabend.
 
 

Bunter St. Patrick`s Day mit irischer Musik und Tanz

Grabenstätt
 

Eine umjubelte St. Patrick`s Day Session feierten die Band Cotton Rich und die Ivy Leaf Irish Dancers am irischen Nationalfeiertag in der Theater-Strickerei. Rund 80 Besucher ließen sich aus dem spätwinterlichen Chiemgau auf die vorfrühlingshafte grüne Insel entführen und genossen dabei jede Sekunde. Informativ und unterhaltsam durch das Programm führte Moderator Robert X. Gapp, seines Zeichens Mundartautor, Ex-Gymnasiallehrer und Irland-Liebhaber. Wie keine andere habe Barbara Rauch, Sängerin der Cotton Rich-Band, den Irish Blues im Blut, denn sie sei in Dublin geboren und in einer Familie aufgewachsen, in der Musik immer eine wichtige Rolle gespielt habe, verriet Gapp, der wie Rauch in Bergen wohnt. Als Solistin und mit Chören und Ensembles sorgt sie in erster Linie in Kirchen für Begeisterung, doch an der Seite ihrer Musikerkollegen Marlene Fischer, Stephan Schütz und Georg Beyschlag gelang es ihr die Theater-Strickerei mit irischen Folksongs im Handumdrehen in ein Irish Pub zu verwandeln. Die dortige Kleinkunstbühne hat in ihrer noch recht jungen Geschichte schon einiges erlebt, doch dies war eine Premiere der besonderen Art, die allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird. Maßgeblichen Anteil daran hatten auch die zweiten Hauptdarsteller des Abends, die Ivy Leaf Irish Dancers, die die Bühne mit Irish Stepdance zum Beben brachten.

„Wir tanzen für unser Leben gerne“, heißt es auf der Homepage der Ivy Leaf Irish Dancers und diese Begeisterung sprang auch in Grabenstätt umgehend auf das Publikum über. Mit hypnotisierenden Beats und Rhythmen der Hard-Shoe-Dances (in Step-Schuhen) zogen sie die Zuschauer in ihren Bann, doch auch die leichtfüßigen Soft-Shoe-Dances („auf weichen Sohlen“) beherrschen sie in Perfektion. Vor rund 20 Jahren hatte man den traditionellen irischen Tanz entdeckt und aus einem ersten Ausprobieren wurde schon bald Faszination und Leidenschaft. Mit der Zeit fanden auch moderne Elemente und Formationen Eingang in die Choreographien und es entstanden diese unverwechselbaren Tanzformationen, von denen auch das Grabenstätter Publikum nicht genug bekommen konnte. Geleitet wird die rund 30-köpfige Gruppe von Sabine Schöttle, einer gelernten Gymnastiklehrerin und Tanzpädagogin, die sich Ende der 1990er Jahre bei einem Irlandbesuch Hals über Kopf in die grüne Insel verliebt hat. Ihre Fachkenntnisse im Irish Dance verdankt Schöttle vielen namhaften Tänzern wie Silvia Waldmann, Robert Gabriell, Anne Murphy, Sean Gavan, Anne-Marie Cunningham, Shane Ryan, Shane McAvinchey sowie Deirdre und Eadaoin Ryan. Mit viel Herzblut und Freude gibt Schöttle ihr Wissen und Können seit vielen Jahren an interessierte Tänzer weiter und so ist es vor allem ihr Verdienst, dass die Ivy Leaf Dancers keinerlei Nachwuchsprobleme haben.

Bericht und Bild vom örtlichen Presseberichterstatter Markus Müller.
Syrisch-bayerische Band »Purpleblue Hilal« mit großartigem Konzert

Am Anfang war die Stille

Hassan Al Assadi (Mitte), Patricia Burkhart und Wolfgang Prechter feierten mit ihrer syrisch-bayerischen Band »Purpleblue Hilal« einen umjubelten Auftritt in der Theater-Strickerei Grabenstätt. Das interkulturelle Konzert stand unter dem Motto »East meets West«. (Foto: Müller)

»Heart Beat Music« vom Feinsten hatte die syrisch-bayerische Band »Purpleblue Hilal« versprochen und sie sollte bei ihrem Konzert »East meets West« in der voll besetzten Theater-Strickerei Grabenstätt Wort halten.


Mit interkultureller Musik und ganz feinen Klängen und Melodien spielten und sangen sich der junge syrische Ausnahme-Gitarrist und -Sänger Hassan Al Assadi und seine kongenialen Kollegen, die hiesige Gitarristin und Sängerin Patricia Burkhart und Multiinstrumentalist und Sänger Wolfgang Prechter, in die Herzen der Besucher. Ihrer Absicht, Menschen miteinander zu verbinden und einen Abend voller Freude und Musikgenuss zu kreieren, gelang ihnen von Beginn an spielend.

Los ging es mit einem Text über die Stille von Patricia Burkhart. Aus der Stille sei in vielen Religionen alles entstanden, »am Anfang war das Wort und der Klang und dann kam die Schöpfung«, so Burkhart. Beim traditionellen Indian Bhajan »Om Mama« wurden munter die Instrumente gewechselt und die Besucher durften sogar selbst ihre Gesangskünste unter Beweis stellen. Sie taten es mit Bravour. Und weil es so schön war, gab es gleich noch einen weiteren Bhajan zum Mitsingen. Nach einem besonders einfühlsamen Lied von Burkhart über die göttliche Mutter unternahm man einen Ausflug in die indische Mythologie.

Ein weiterer Höhepunkt war das Flamenco-Solo von Al Assadi, bei dem seine Finger in atemberaubender Geschwindigkeit über die Saiten seiner Gitarre flogen. Der ukrainische Gitarrenvirtuose Estas Tonne wäre wohl genauso erstaunt gewesen wie die Besucher, denn er hatte zehn Jahre gebraucht, bis er das schwierige Stück in Perfektion beherrschte, während es Al Assadi gerade einmal zehn Tage lang einübte. Auch Musiktausendsassa Prechter feierte einen umjubelten Soloauftritt und zwar mit dem Bansuri Solo »Oh, Danny Boy« – mit der harmonischen Melodie einer alten irischen Volksweise. Auf den arabischen Popsong »Tghayarti« gab Al Assadi das Lied seiner Lieblingssängerin zum Besten. Den Abschluss bildete John Legends Welthit »All of Me«. Als Zugabe erklatschten sich die begeisterten Besucher »You Raise Me Up« von Josh Groban. Dieser wunderbare Abend darf gerne eine Neuauflage erfahren, waren sich alle einig. Markus Müller

Salztheater Traunstein und Theater-Strickerei überzeugen mit Krimi »Mord an Bord, Mylord« in Seebruck – Nächster Termin am Freitag

Ein Mord zum Dinner

Wer ist der Mörder? Richard Bromstroke (von links, Lukas Herschke), Tante Dorothy (Christine Pauli), Admiral Reginald Bromstroke (Gerhard Brusche) oder doch Schiffsjunge Braithwait (Raphael Seifried)? (Foto: Müller)

Seeon-Seebruck – Großartige Theaterkunst, Spannung und kulinarischer Genuss bekommen die Besucher derzeit beim kurzweiligen Dinner-Krimi »Mord an Bord, Mylord«, einer Kooperation von Salztheater Traunstein und Theater-Strickerei Grabenstätt, serviert.


Da es sich um ein interaktives Stück handelt, werden die Gäste von den Schauspielern immer wieder gekonnt ins Geschehen mit eingebunden – zum Beispiel dann, wenn sich der ebenso exzentrische wie königstreue, britische Admiral Lord Reginald Bromstroke – perfekt gespielt von Regisseur Gerhard Brusche – die Ehre gibt und von den Gästen mit einem lauten »Victory« begrüßt wird. Auch das eine oder andere Ständchen dürfen die Zuschauer mit dem Ensemble anstimmen.

Gewinnbringend kommt hinzu, dass der gesamte Saal zur Bühne, besser gesagt zu einem Schiff der Royal Navy mutiert. Einige Gäste werden sogar kurzerhand Teil des Ensembles – Spielleiterin Doris Biller macht es möglich, denn sie hat ein Auge dafür, wer für die Gastrollen Dr. Philip Hayden, Notar Mr. Lambert, Reporterin Rose Riplay, Captain Old Pepper, Captain Wels, Father Magnus und Gärtner Severin Sythe infrage kommt.

Zum Inhalt: Wie alle zehn Jahre lädt Admiral Lord Reginald Bromstroke Freunde und Familie zum Royal-Navy-Dinner auf Oakenshore Manor, denn der Sieg über die Franzosen und Spanier bei der berühmten Schlacht von Trafalgar jährt sich 1930 zum 125. Mal und soll gebührend gefeiert werden. Zum Festmahl erscheinen alle, die in Sussex Rang und Namen haben, alte Weggefährten des Admirals sowie dessen Verwandtschaft. Dieses Mal, so Lord Reginald, widme er das Dinner dem Andenken seiner geliebten, aber ertrunkenen Frau Beatrix, die nun nach zehn Jahren für tot erklärt wurde. Doch dann geschieht plötzlich ein erster Mord.

Die Aufklärung des Verbrechens hat nun oberste Priorität, denn der Täter könnte jederzeit wieder zuschlagen. Alle scheinen auf irgendeine Weise verdächtig zu sein, die Aufregung ist groß und das gegenseitige Misstrauen wächst. Als sich die Anspannung zu entladen droht, taucht der berühmte und erfahrene Detektiv Achille Pernod auf. Aber auch er kann den schwierigen Fall nicht auf Anhieb lösen und ist bei der Verbrecherjagd auf die Hilfe des Publikums angewiesen.

Lukas Herschke überzeugt nicht nur als Achille Pernod, sondern auch als rätselhafter Dichter und Admirals-Bruder Sir Richard Bromstroke. In den weiteren Doppelrollen stehen ihnen in nichts nach: Verena Wannisch als redselige, dem Admiral verfallene Hausdame Winnifred und als eigentlich verstorbene Frau des Admirals, Beatrix Dixter sowie Raphael Seifried als gehorsamer Schiffsjunge Braithwait und Ex-Kindermädchen des Admirals Annie. Diese ist mittlerweile ein altes, gebrechliches, aber ungemein keckes Mütterchen, das die speisenden Besucher in den Pausen köstlich amüsiert. Überzeugend spielen auch Christine Pauli als energiegeladene und mitteilsame Tante Dorothy und Susi Walch als besonnene Admiralstochter und Chemikerin Miss Dinah.

Karten gibt es noch für die Spieltermine am Freitag, 19. Januar, um 19 Uhr im Hafenwirt in Seebruck sowie jeweils samstags, 3., 10. und 17. Februar, um 19 Uhr im neuen Chiemseer Wirtshaus in Chieming. Einlass ist jeweils ab 18 Uhr. Die Dinnerkrimi-Karten können unter Telefon 0177/321 60 64 oder über die Internetseite der Theater-Strickerei reserviert werden. mmü

SALZTHEATER TRAUNSTEIN

So amüsant kann Paartherapie sein

Vollauf begeistert waren die Premierengäste der Komödie „Die Wunderübung“. Die Darsteller Alexandra Holzner und Lukas Herschke als zerstrittenes Ehepaar Joana und Valentin Dorek bei ihrem langsam verzweifelnden Paartherapeuten, gespielt von Kurt Lohwasser. Ist es das krachende Ende der Beziehung oder der Beginn eines Neuanfangs? Foto mmüt

Vollauf begeistert waren die Premierengäste der Komödie „Die Wunderübung“. Die Darsteller Alexandra Holzner und Lukas Herschke als zerstrittenes Ehepaar Joana und Valentin Dorek bei ihrem langsam verzweifelnden Paartherapeuten, gespielt von Kurt Lohwasser. Ist es das krachende Ende der Beziehung oder der Beginn eines Neuanfangs? FOTO MMüt

Die Komödie „Die Wunderübung“ zeigt das Salztheater Traunstein noch bis 21. Januar in der Theater-Strickerei Grabenstätt und ab Februar auch als Theaterdinner in Seebruck.

VON MARKUS MÜLLER

Grabenstätt – Zu Beginn der Komödie von Daniel Glattauer scheint bei der Familie Dorek alles beim Besten: Sieben gute Ehejahre, zwei tolle Kinder, allesamt erfreuen sich bester Gesundheit, und auch finanzielle Probleme gibt es keine. Doch wer keine Sorgen hat, der macht sich bekanntlich welche.

Die Eheleute Joana und Valentin Dorek, großartig gespielt von Alexandra Holzner und Lukas Herschke, haben sich schon seit geraumer Zeit nichts mehr zu sagen. Sie reden nicht mehr miteinander, sondern nur mehr übereinander. Ihre Ehe taumelt von einem Tiefpunkt zum nächsten, und so wird eine Paartherapie sprichwörtlich zum letzten Rettungsanker.

Bei einem Tauchurlaub hatte einst alles begonnen, doch von der großen Liebe ist offenbar nicht mehr viel übrig geblieben: „Es war eine Unterwasserbeziehung, an Land ist ihm dann die Luft ausgegangen“, so eine der vielen Breitseiten, die Historikerin und Hausfrau Joana bei der Paarberatung ihrem Ehemann verpasst. Bei all den verbalen Angriffen seiner Frau fühlt sich das wankende Familienoberhaupt, von Beruf erfolgreicher technischer Direktor, an seiner Ehre gepackt und schießt in allerbester Donald Trump-Manier zurück, dabei wünscht er sich doch eigentlich nur Frieden.

Die Atmosphäre im einladend gestalteten Therapieraum ist allerdings so frostig und die Stimmung so vergiftet, dass selbst die Anti-Konflikt-Übungen und der Anti-Stressball des mit allen Wassern gewaschenen Paartherapeuten Harald – kongenial gespielt von Kurt Lohwasser – ihre Wirkung verfehlen. Auch dessen grelloranges, Urlaubsstimmung verbreitendes Hawaii-Hemd kann die angespannte Atmosphäre nicht auflockern. Und so stellt er die Frage, die sich ein Paartherapeut besser verkneifen sollte: „Warum trennen sie sich eigentlich nicht?“ Doch wer nun denkt, dass der Therapeut gleich wieder Zeit hat, seinem Hobby, dem Golfspiel, zu frönen, sieht sich getäuscht.

Die bekannten Klischees von Frauen, die nicht zuhören und ständig reden, von Männern, die nicht zu Wort kommen, von Seitensprüngen und der Reue darüber, von überforderten Therapeuten – das dreiköpfige Salztheater-Ensemble unter der Regie von Gerhard Brusche bereitet sie köstlich unverblümt und mit viel Ironie und Sarkasmus auf.

Die Darsteller laufen zur Höchstform auf und überzeugen mit ihrer großartigen Bühnenpräsenz, Gestik, Mimik sowie rasend schnellen Dialogen und Wortgefechten. Den Besuchern fällt es schwer, im turbulenten Beziehungs-Dschungel für eine Seite Partei zu ergreifen.

Weitere Spieltermine sind am heutigen Freitag und morgigen Samstag, Samstag, 20. Januar, und Sonntag, 21. Januar, jeweils um 20 Uhr in der Theater-Strickerei Grabenstätt, Chieminger Straße 24. Karten gibt es unter Telefon 0177/3216064, über die Homepage der Theater-Strickerei www.theater-strickerei.de oder ab 19 Uhr an der Abendkasse. Ab Februar ist „Die Wunderübung“ dann auch als Theaterdinner im Restaurant „Hafenwirt“ in Seebruck zu sehen. Nähere Informationen dazu auf der Homepage des Salztheaters.

JUNGE CHIEMSEER BÜHNE

Kater wartet auf den Weihnachtsmann

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Gemeinsam fiebern Pettersson (Emely Walch) und Kater Findus (Colleen Landmann) dem Weihnachtsfest entgegen, vor dem aber freilich noch einiges zu erledigen ist. Auch die wundersamen Dinge, die immer wieder passieren, verkürzen die Wartezeit bis Heiligabend. mmü

Eine gelungene Premiere feierten die Kinder der Jungen Chiemseer Bühne Grabenstätt mit „Morgen, Findus, wird’s was geben“ in der Theater-Strickerei Grabenstätt. Fünf weitere Termine stehen auf dem Spielplan.

Grabenstätt– „Ich freue mich voll für euch. Das habt ihr wirklich toll gemacht, gerade, wenn man bedenkt, wie wenig Zeit wir gehabt haben“, sprudelte es nach dem umjubelten ersten Auftritt aus dem Regisseur und Theaterpädagogen Max Berger heraus, der die Spielleitung erst vor wenigen Wochen von Gerhard Brusche übernommen hatte.

Es sei der große Wunsch aller Beteiligten gewesen, das Stück noch vor Weihnachten auf die Bühne zu bekommen, und dieser ambitionierte Plan sei zum Glück aufgegangen, so Berger.

In den Hauptrollen brillierten Colleen Landmann als großartiger Kater Findus, Emely Walch als kongenialer Pettersson, Luka Maijaljkovic als Weihnachts- und Koffermann, Magdalena Lange als geheimnisvoller Briefträger, Elisabeth Biller als Huhn Henrietta und Nachbarin Signild, Quirin Lange als Hahn Caruso, Julius Kamml als Herr Kiste und Ida Lange als Frau Kiste. Als süße, lustige und emsige kleine Muckla wuselten immer wieder Jonas Ehrenhuber, Tamino und Elina Kuhlmann sowie Lilly und Niclas Walch über die Bühne. Auch Hühnchen Paula Maijaljkovic mischte eifrig mit. Auch gesanglich überzeugte das Nachwuchsensemble.

Seit der alte Pettersson seinem Kater Findus vom Weihnachtsmann erzählt hat, wünscht dieser sich, dass der hohe Besuch auch zu ihm kommt. Pettersson möchte Findus nicht enttäuschen, und so geht es fortan nicht nur im Tischlerschuppen, in der Wohnstube und im Wald hoch her – die wechselnden malerischen Kulissen von Max Berger, Simon Kamml und Tom Dürrbeck machen es möglich. Dass trotzdem alles ganz anders kommt, als es Pettersson geplant hat, kann nur daran liegen, dass manchmal wundersame Dinge geschehen, die man nicht erklären kann:

Quelle OVB

Stimmungsvoller vorweihnachtlicher Abend in der Theaterstrickerei Grabenstätt

»…und plötzlich ist wieder Weihnachten!«

»Und plötzlich ist wieder Weihnachten!« hieß es unlängst in der Theater-Strickerei Grabenstätt beim großartigen Auftritt des Ensembles von Ausnahmekünstlerin Rayka Emmé. (Foto: Müller)

»…und plötzlich ist wieder Weihnachten!« hieß es unlängst in der Theater-Strickerei Grabenstätt und das schon wochenlang vor Heiligabend – die Sängerin, Autorin und Geschichtenerzählerin Rayka Emmé machte es mit ihren Musikerkollegen Nikolaus (Kontrabass), Peter (Gitarre/Percussion) und Hans (Piano/Akkordeon) möglich und zauberte eine wunderbare, weihnachtliche Stimmung in die winterlich dekorierte Theater-Strickerei.


Groß und klein genossen einen stimmungsvollen Abend mit Emmés Marionetten Pauline und Rabe Krax und deren Geschichten aus dem Buch »Ich frag dich was…«, wunderschönen Ohrwürmern wie »Rudolph, the Red-Nosed Reindeer« »Winter Wonderland«, »White Christmas« und »Leise rieselt der Schnee«, einem stimmgewaltigen Männer-Dreigesang, Weihnachtsgedichten und -geschichten und vielen weiteren Überraschungen. Auch der unvergessliche Kindergeschichtenerzähler und Kinderbuchautor Otfried Preußler, der 2013 im 90. Lebensjahr in Prien am Chiemsee gestorben ist, durfte an diesem Abend nicht unerwähnt bleiben. Er habe es wie kein anderer verstanden, die Kinder mit seinen Geschichten zu fesseln und »in eine andere Welt zu entführen, ins Land der Träume«, und das seien auch ihr Antrieb und ihr Ziel als Autorin, betonte Emmé. Abschließend wünschte sie ihrem begeisterten Publikum »nicht zu viel Stress« und gab zu bedenken, dass »nicht immer alles perfekt sein muss, denn das wäre ja auch langweilig« – die weihnachtliche Einstimmung der vier großartigen Künstler war allerdings sehr wohl perfekt. Langeweile kam aber trotzdem zu keiner Zeit auf. Den passenden Abschluss bildete ein klangvolles Halleluja. Wer die ungemein wandlungsfähige und vielseitige Künstlerin Rayka Emmé als grandiose Jazz-, Blues- und Swingsängerin erleben möchte, der muss sich den 14. April dick im Kalender anstreichen, denn dann gibt sie mit ihren »LivfeChords« ein zweites   »Sentimental Journey«-Gastspiel in der Theater-Strickerei Grabenstätt. Markus Müller

Vom Mann- und Frausein

Kabarettist Werner Gerl begeisterte in der Theater-Strickerei

Grabenstätt – Kabarett vom Feinsten bot Werner Gerl in der voll besetzten Theater-Strickerei Grabenstätt mit seinem aktuellen Programm „Der pure Mannsinn“.

Dass man als Lehrer im wahren Leben und vor allem im Schulalltag nicht nur Menschenkenntnis und Durchsetzungsvermögen, sondern auch ein gewisses schauspielerisches Talent braucht, sichert Gerl nicht nur vor den oftmals aufmüpfigen Schülern, sondern auch bei der Ausübung seines humorvollen Nebenjobs auf den Kleinkunstbühnen das Überleben.

Gerls Vergleiche von Frau- und Mann-Sinn, die entsprechenden Witze, seine unnachahmliche Wortakrobatik sowie die schräge Verkleidung lösten viele Lachstürme aus. Seine wandlungsfähige Gestik und Mimik tun ihr Übriges dazu.

Gerl zufolge verändere sich das Verhältnis zwischen Männern und Frauen immer mehr: so sehr, dass sich viele nicht mehr in ihren Rollen zurechtfänden.

Es ging um Anbandeln zwischen Mann und Frau in der modernen Gesellschaft, das Eheleben, die Überalterung der Gesellschaft, den immer größeren Verkauf von Rollatoren statt Kinderdreirädern und spezielle Hörgeräte für Männer, die typische Frauen-Sätze wie „Bring doch mal den Müll runter!“ oder „Du hörst nie zu“.

Wie es sich für einen vernünftigen Kabarettisten gehört, machte seine grandiose „Derbleck“-Kunst auch vor dem eigenen „Lehrkörper“ nicht halt: „Lehrer haben vormittags recht und nachmittags frei“. Wer sich über andere lustig macht, muss eben auch über sich selbst lachen können: Gerl weiß das, auch das macht ihn so sympathisch…MMü

<p>Werner Gerl ist im wahren Leben Lehrer.Foto mmü</p>
Verratene Geheimnisse und nackte Tatsachen in der Theater-Strickerei mit Schauspielerin Merle Lisek

Wofür es sich zu schämen lohnt

Die äußerst wandlungsfähige Schauspielerin Merle Lisek (rechts) und ihre Musikerkollegen Lisa Spielmann und Johannes von Barsewisch legten in der Theater-Strickerei Grabenstätt einen großartigen Auftritt hin. (Foto: Müller)

Eine außergewöhnliche Premiere hat die 27-jährige Schauspielerin Merle Lisek mit ihrem Programm »Secrets – Oder: Wofür es sich zu schämen lohnt« in der Grabenstätter Theater-Strickerei gefeiert. Sie ließ auf der Bühne nicht die Hüllen fallen, sondern verriet an diesem denkwürdigen Abend auch das eine oder andere Geheimnis.


Über ein Jahr hat Lisek »echte Geheimnisse von echten Menschen« gesammelt, um sie mittels einer Kreation aus Monolog, nichtjugendfreier Performance und Konzert gebündelt auf die Bühne zu bringen.

Für die passenden Klänge sorgten in Grabenstätt Lisa Spielmann und Johannes von Barsewisch. Liseks kessem Wesen und Auftreten, ihrer Offenheit und Raffinesse sowie ihrem trockenen Humor und ihrer Selbstironie war es zu verdanken, dass einige Gäste ihre Zurückhaltung schnell abstreiften und plötzlich selbst Lust verspürten, das ein oder andere persönliche Geheimnis preiszugeben – anonym natürlich, denn auf Zetteln geschrieben waren diese zuvor von ihnen in einen »Secrets-Briefkasten« geschmissen worden.

Die verlesenen Besuchergeheimnisse waren zwar weniger pikant als die von Lisek mitgebrachten, doch in die Dusche gepinkelt worden ist dann doch schon mal. Das helfe übrigens gegen Fußpilz, meinte die selbst fußpilzgeplagte Lisek, die nach ihrer verwegenen Striptease-Einlage in einem Dirndl schlagfertig durch den Abend führte.

Als gebürtige Baden-Württembergerin und Wahlhessin kam sie nur bei diesem boarischen Geheimnis eines Gastes kurz ins Schleudern: »Mei Sogga hod unt drunt a Loch«. Geheimnisse seien was Schönes und Spannendes, wer keine habe, müsse sich unbedingt welche besorgen, meinte Lisek und brach immer wieder, mal offen mal unterschwellig, eine Lanze für ein selbstbestimmtes Leben, in dem man sich freimachen müsse von allen Zwängen, mutig sein und das Hier und Jetzt genießen sollte. Sie selbst habe durch ihre eigene Krebserkrankung erfahren, wie schnell das Glück vergehen könne. Dies sei auch der Hauptgrund gewesen, dieses Stück zu machen. Vielleicht werde sie nun darüber ein Buch schreiben, kündigte Lisek an und hoffte, dass die Besucher auch etwas mit nach Hause nehmen. Markus Müller

I

Schorsch Berger begeistert in der Grabenstätter Theater-Strickerei

Unverbogen und zeitlos

Für einen großartigen Konzertabend sorgte Schorsch Berger mit seiner neuen Band »Schorsch« in der Theater-Strickerei Grabenstätt. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Der »Berger Schorsch« ist ein Vollblutmusiker und -sänger – authentisch, unverbogen, einfach sympathisch und, wonach wohl jeder Künstler strebt, zeitlos.


Zeitlos und mit einer starken Botschaft versehen war auch das erste Lied »Leb dei Lebm«, das er mit seinen Musikerkollegen in der gut besuchten Theater-Strickerei zum Besten gab. »Das könnt ihr in 50 Jahren auch noch hören, naja a paar von euch vielleicht nimma und i werds dann wohl a nimma spieln«, kündigte der Schorsch das Stück an und hatte so die Lacher gleich auf seiner Seite. »Schorsch«, so heißt nicht nur der Bandleader und Frontman Berger (Gesang und Gitarre), sondern auch die frühere »D’Schorsch-Berger-Band«, zu der auch der Ausnahmegitarrist Dusan Pavlak (E-Gitarre und Gesang), Musikerurgestein Beli Lichtenstein (Bass und Gesang), der in seiner langen Karriere auch schon mit Nina Hagen und Manfred Krug auf der Bühne stand, und der junge, ambitionierte Schlagzeuger Julian Steffl gehören.

Vor gut drei Jahren hatten sie nach und nach zusammengefunden und wie produktiv sie seitdem waren, zeigt sich nicht nur bei ihren Auftritten in Südostbayern und im nahen Österreich, sondern auch auf ihrer brandneuen CD »Schorsch«. »Die ersten 100 Stück unserer ersten CD sind heute pünktlich per Express eingetroffen. I gfrei mi wia a kloaner Bua«, strahlte der Schorsch und ging vor Freude immer wieder ab wie eine Rakete, die lange Mähne und der Rauschebart flogen, insbesondere dann wenn Dusan Pavlak zu seinen genialen Gitarrensolos ansetzte und alle in Ekstase versetzte.

Seit rund 40 Jahren macht Schorsch Berger mittlerweile Musik und liebt es, die unterschiedlichsten Stilrichtungen in ihr zu vereinen und nachdenklich-philosophisch-lustig-kritische Texte dazu zu schreiben. 1978 bis 1982 war er Bandleader der legendären Band »Häppie Donnaboik’n« und von 1997 bis 2008 Chef der »Schorsch-Berger-Band«. 1982 brachte er eine Platte heraus, 1987 folgte eine Kassette und nun endlich die erste CD mit »MundArtmusik für Seele, Herz und Hirn« und großartigen Stücken wie »Jugndtraum«, »Host du koan Guru«, »Roboter«, »Oiss hod sei Zeit«, »Da lange Weg«, »Und täglich grüßt das Murmeltier«, »Clever & smart« und »Ärger mitm Berger« – die Besucher waren begeistert. Applaus und Jubel ernteten die Musiker auch für ihren grandiosen »Bayern«-Song, in dem Berger sogar jodelte.

Das Stimmungsbarometer schlug immer wieder weit aus, doch zum Konzertende, als Berger das Lied »Hey Oida« ankündigte, wurde es ganz ruhig, denn geschrieben hat er es für seinen viel zu früh verstorbenen Sohn. »Hey Oida, des war unser Gruß und des wird er wieder sein, wenn wir uns wiedersehen«, so der Schorsch. Ein echter Cowboy gebe nicht auf und ein Indianer schon dreimal nicht, outete er sich als großer Western-Fan, der das Leben in vollen Zügen genießt und das nicht nur auf der Bühne.

Die offizielle CD-Präsentation ist am 16. Dezember in Mietenkam. mmü

Kurzweiliger Lyrikabend mit Erzählerin Roswitha Bräu und feinen Harfenklängen

Was wäre die Poesie ohne die Liebe…

Die Theater-Strickerei Grabenstätt mit ihrem gemütlichen Ambiente bot den idealen Rahmen für die poetisch-musikalischen Reisen mit der Grabenstätter Lyrikerin und Erzählerin Roswitha Bräu, Christina Kaiser (hinten) steuerte die passenden Harfenklänge bei. (Foto: Müller)

Nach 15-jähriger Pause kehrte die Grabenstätter Lyrikerin und Erzählerin Roswitha Bräu auf die Bühne zurück und sie tat dies, als wäre sie nie weg gewesen.


Mit ihren zwischen 1983 und 2012 geschriebenen einfühlsamen und tiefsinnigen Texten über die Natur, menschliche Gefühle und die Liebe nahm sie ihre Zuhörer in der Grabenstätter Theater-Strickerei gleich zweimal mit auf unterhaltsame, besinnliche und poetische Reisen und Begegnungen, die den restlos begeisterten Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben werden. Bei ihrem zweiten Auftritt – von dem hier die Rede ist – sorgte die Nachwuchsharfenistin Christina Kaiser aus Traunstein mit Walzern, Landlern und Weisen für die wohlklingende Untermalung und erntete dafür am Ende sogar »Bravo«-Rufe.

Auch Bräu, die für ihr von vielen ersehntes Comeback lange Zeit auf der Suche nach einer passenden Harfenistin war und dann sogar zwei fand, war voll des Lobes: »Ein Traum von einem jungen Harfen-Mädchen, ich bin dir Christina sehr dankbar, dass Du mich heute begleitet und uns so viel Freude bereitet hast«. Zu Beginn der poetisch-musikalischen Reise ging es mit »Komm mit« ins Land des Regenbogens, » (…) dort wo die bunten Träume sind, dort hat die Fantasie noch Flügel, die leicht wie Seifenblasen sind. (…). Komm mit, lass uns die Farben sammeln für jeden grauen Tag, damit auch ohne Regenbogen davon ein bisschen bleiben mag«. Die Besucher kamen gerne mit – wohl wissend, dass sie angesichts des Novembergraus noch eine ganze Weile auf den nächsten Regenbogen warten werden müssen.

Doch was wäre die Poesie ohne die Liebe. Die so facettenreiche Liebe, von der Bräu erzählte, »ist frei wie der Wind, von zärtlich sanft bis stürmisch und rau, (…), ist tief wie der Ozean, von ruhig bewegt, bis gefährlich und wild, (…) ist bunt wie ein Kaleidoskop, von einfach bis unendlich brillant, eben nicht nur rosarot und himmelblau.« Zu oft passiere es den Menschen, dass sie mit ihren Gedanken beim Gestern oder beim Morgen seien, und das Heute und Hier und Jetzt vergessen, meinte Bräu und beendete ihr Werk »Der Augenblick« mit den lebensbejahenden Worten: »Genieße jeden Augenblick, lass ihn nicht so vergehn, erfass ihn ganz und halt ihn fest, ganz langsam wirst du deine Welt mit anderen Augen sehn«.

Freud und Leid liegen oft nah beieinander, auch Bräu hat dies in ihrem Leben erfahren müssen. Ihrer viel zu früh verstorbenen Tochter hat sie ebenso ein Werk gewidmet wie ihrem Enkelkind, dem sie zur Erstkommunion den Text »Für Dich« schrieb. Darin heißt es: »Ich wünsche mir für dich, dass du dich mit all deinen Besonderheiten entdecken wirst. Dass du begreifen kannst wie wichtig deine Gefühle sind. Dass Zeit dein kostbarster Besitz ist, um sie mit Glück und Freude zu füllen. Dass ein Leben eine wunderbare Reise ist und du bestimmst wohin sie führt. Dein Leben ist ein Geschenk (…)«.

Ein großes Geschenk war auch dieser Lyrikabend. »Es war heute ganz großartig, ich habe viel mitnehmen können«, so eine Besucherin. Da es mittlerweile viele neue Werke gebe, denke sie an die Herausgabe eines dritten, neu zusammengestellten Buches, so Bräu. Doch wer nicht lesen, sondern einfach nur die Augen schließen, zuhören und die Seele baumeln lassen möchte, der kann sich auf weitere Lyrikabende von und mit Bräu freuen, die sie einst bis ins Ausland führten. »Ich kann mir gut vorstellen, dass ich auch mal einen Abend mit drei Harfenistinnen mache, mit Christina und zwei weiteren jungen Damen, die alle die gleiche Harfenlehrerin haben«, so Bräu. Vielleicht gibt es auch einmal ein Bräu-Hörbuch mit großen Gefühlen, zum Nachdenken, Träumen, Entspannen und Loslassen. Markus Müller

Musikkabarettist mit seinem Programm »Dahoam« in der Theater-Strickerei

Vogelwuid mit dem »Vogelmayer«

Vollen Einsatz zeigte der niederbayerische Musiker, Sänger und Kabarettist »Vogelmayer« bei seinem Auftritt in der Grabenstätter Theater-Strickerei. (Foto: Müller)

Mit einigen Minuten Verspätung betrat der niederbayerische Musiker, Sänger und Kabarettist »Vogelmayer« – eigentlich Thomas Mayer – die Bühne der Grabenstätter Theater-Strickerei, doch das hatte seinen guten Grund: Nach seiner mehrstündigen kraftraubenden Anreise aus dem Bayerischen Wald musste sich der 35-jährige Straubinger erst einmal mit einer Pizza stärken, um dann nach erfolgreicher Akklimatisierung mit seinem waidlerisch-südländischen Temperament und seinem neuen Programm »Dahoam« loszulegen.


Zunächst war der »Vogelmayer« ungewollt im sanften Scheinwerferlicht nur in Umrissen erkennbar, doch das sei nicht schlecht, denn »dann könnt ihr euch schon einmal langsam an meinen Anblick gewöhnen«, witzelte er, nachdem er die letzten Pizzastücke hastig hinuntergeschlungen hatte.

Der »Vogelmayer« setzt auf Angriff

Was sein scharfzüngiges, offen und ehrliches zünftiges bayerisches Musikkabarett anbelangt, war der »Vogelmayer« zum Glück unersättlich – zuvor musste er aber noch testen, ob »einige Preißen oder DDRler« anwesend waren, die er oft und gerne satirisch aufs Korn nimmt. Dies war nicht der Fall und so setzte die »Vollblut-Rampensau« von Anfang auf Angriff und reihte eine Spitze und Pointe an die andere.

Was für eine gelungene Mischung aus Show, Gesellschaftskritik und Heimatverbundenheit, gekonnt verpackt in selbst komponierten Liedern, Witzen, Geschichten und Wortspielen und das mit garantiertem Spaßfaktor, aber auch Hintergründigem zum Nachdenken – ein Programm für Hirn, Herz und Humor.

Nach dem mitreißenden musikalischen Auftakt »Vogelmayer 1,2,3« ließ er seine Hits »Geid«, »Die Wahl«, »Es draht se de Weit«, »Dahoam«, »Da Waidler«, »Der schwarz-weiße Ritter« und »I griaß alle …« folgen. Dabei klatschte und sang das Publikum mit, was das Zeug hielt. Den »U-A-Rap« intonierten die Besucher so gut, dass Improvisationskünstler »Vogelmayer« voller Begeisterung zusicherte: »Wenn ich mal eine Live-CD mache, dann komme ich zu euch.« Vor den Zugaben »Habt’s scho‘ lang vergessen?« und »Unser Weit« blieb er aus leidvoller Erfahrung bewusst auf der Bühne, denn: »I hab’s scho erlebt, dass die Besucher weg waren, als ich zurückkam.«

Nach der Wahl ist vielleicht auch vor der Wahl

Der »Vogelmayer« ist einer, der sich als mündiger Bürger oft und gerne einmischt, kritisch zu Wort meldet, unbequem ist, sich nicht scheut, anzuecken und auch über sich selbst lachen kann, das alles macht ihn so authentisch und sympathisch. Wer nicht zur Wahl gehe, dürfe sich dann auch nicht beschweren, wenn es schlecht laufe, so »Vogelmayer«. Sein Wahlaufruf passe zwar so kurz nach der Bundestagswahl nicht so gut, aber »vielleicht könnt ihr in ein paar Wochen eh schon wieder wählen«, ließ er mit einem Grinsen verlauten und manch einer dürfte es bedauert haben, dass es noch keine »Vogelmayer-Partei« gibt.

Weil der »Vogelmayer« in Grabenstätt gar so gut ankam, sicherte er den »Machern« der Theater-Strickerei sogleich zu, dass er im Frühjahr wiederkommen werde – der Termin steht bereits fest: Der Auftritt ist für den 7. April 2018 geplant. »Dahaom is koa Ort, dahoam is a Gefühl«, meinte Vogelmayer und es war offensichtlich, dass er sich an diesem Abend in Grabenstätt sehr zuhause gefühlt hat. Markus Müller

Weitere Aufführungen im Grabenstätter Schlosshof und beim Dramasuri-Theaterfestival in Prien

»Bayrischer Jedermann« feierte großartige Heimpremiere

Große Festtafel mit Ben Regner (rechts) als großartiger »Jedermann« und seine kongeniale Partnerin Sophia Biller als »Buhlschaft« im Vordergrund. (Foto: Müller)

Grabenstätt – Nachdem der erste Grabenstätt-Termin noch dem schlechten Wetter zum Opfer gefallen war, feierte der »Bayrische Jedermann« nun eine begeisternde Heimpremiere im malerischen Schlosshof.


Nahtlos knüpfte man vor über 300 Besuchern an die erfolgreiche Uraufführung am Kloster Seeon an und eroberte die Herzen der Besucher im Sturm.

Der kurzfristige Ausfall von Teufel-Darstellerin Clara Johannes fiel nicht weiter ins Gewicht, denn wenn man ein mit allen Wassern gewaschenes Theater-Urgestein wie Gerhard Brusche in seinen Reihen hat, ist man gegen viele Unwägbarkeiten gefeit. Brusche glänzte nicht nur als kecker Impro-Teufel, sondern auch in seiner angestammten Rolle als Mammon und führte so ganz nebenbei auch noch Regie.

»Ich habe in meiner 35-jährigen Theaterlaufbahn schon viel erlebt, aber das war auch für mich eine ganz neue Erfahrung«, kommentierte er nach der umjubelten Vorstellung seine »Dreifach-Funktion« und war voll des Lobes über sein rund 30-köpfiges Ensemble, das sich aus Darstellern und Verantwortlichen der Jungen Chiemseer Bühne Grabenstätt und des Salztheaters Traunstein sowie anderen Theaterbegeisterten zusammensetzt. Bei den weiteren Aufführungen wird Verena Wannisch in die Rolle des Teufels schlüpfen. Sie hatte bisher eine Nebenrolle als Dirndl.

In der bairischen Mundartübertragung von Oskar Weber wird aus Hugo von Hofmannsthals städtischem Patrizier Jedermann ein Großbauer, der mit seinen Besitztümern protzt. Der reiche Chiemgauer Jedermann, großartig gespielt von Ben Regner, führt ein frevelhaftes Leben, feiert rauschende Feste mit seinen Freunden und ist hart und unbarmherzig seinen Schuldnern und Untergebenen gegenüber. Einem Festbankett folgt das nächste, Geld scheint überhaupt keine Rolle zu spielen. Da meldet sich plötzlich der Tod mit dem Auftrag, Jedermann vor Gottes Gericht zu führen. In seiner Todesstunde verlassen ihn die Geliebte(n), Freunde und Verwandte und selbst sein Reichtum in Gestalt des goldglänzenden Mammon macht sich lustig über ihn und verweigert ihm die Gefolgschaft. Der dem Tode geweihte, nachdenkliche Jedermann reflektiert sein Leben und erkennt, dass alles Materielle vergänglich ist.

Hauptdarsteller Ben Regner meisterte seine Rolle mit Bravour und braucht sich nicht vor den großen Salzburger Jedermann-Darstellern zu verstecken. An seiner Seite überzeugten Sophia Biller als ausdrucksstarke junge, Buhlschaft sowie Stephan Lehmann als sein wandlungsfähiger Freund und guter Gesell. Auch alle anderen Darsteller überzeugten in ihren Rollen. Klangvoll ins Stück integriert ist die Bergmessmusi Grassau. Wichtige Helfer sind Laura Malmann und Sophia Biller (Maske), Walter Hein und Thomas Dürrbeck (Bühnenbau) sowie Nikolaus Stigloher (Bühnenbild). Doris Biller obliegt die Produktionsleitung.

Weitere Aufführungen folgen am Freitag und Sonntag sowie am 12. und 13. August jeweils um 20 Uhr im Grabenstätter Schlosshof. Ausweichtermin ist am 14. August. Das Stück ist außerdem am 9. August um 20 Uhr beim Dramasuri-Theaterfestival im Priener Eichental zu sehen. Karten im Vorverkauf gibt es unter der Telefonnummer 0177/32 16 064 oder im Gasthof Chiemseebräu in Grabenstätt. mmü

»Junge Chiemseer Bühne Grabenstätt« brillierte mit dem Theaterstück »Birnbaum und Hollerstauden«

Nachwuchsensemble feierte großartige Premiere

Emely Walch als Hebamme und Schorschi Krutzenbichler als Schmied überzeugten in dieser Szene.

Grabenstätt – Eine umjubelte Premierenvorstellung feierte die »Junge Chiemseer Bühne Grabenstätt« mit ihrem neuen Theaterstück »Birnbaum und Hollerstauden« in der Grabenstätter Theater-Strickerei.

Das Publikum war von Anfang an hin und weg von den darstellerischen und musikalischen Darbietungen und an Szenenapplaus wurde nicht gespart.

Besonders großen Anklang fand die Winterszene, die mit einem rauschenden Schlussapplaus belohnt wurde, der gar nicht enden wollte. Die positive Rückmeldung der Besucher schien die Nachwuchsdarsteller zusätzlich zu beflügeln und trieb sie zu wahren Höchstleistungen. Ihrem Regisseur Gerhard Brusche, der als Teufel selbst auf der Bühne stand, gelang es mit seinen Schützlingen das blühende Leben, die Schwierigkeiten und den tieferen Sinn des irdischen Daseins sowie die Erkenntnis der eigenen Endlichkeit überzeugend, aber auch immer wieder mit einem Augenzwinkern auf die Bühne zu bringen.

Beim gekonnten Jonglieren mit den Urängsten und den Wunschdenken der Menschen wurden die Zuschauer immer wieder zum Nachdenken inspiriert. Zum Publikumsliebling avancierte Hauptdarsteller Schorschi Krutzenbichler, der als Schmied das Spiel sozusagen auf seinen starken Schultern trug und einmal mehr mit seiner Bühnenpräsenz bestach. Tatkräftig unterstützt wurde er von seiner Frau, der Schmiedin, großartig gespielt von Lena Brandl. Lokalmatador Simon Jendrischewski überzeugte in der Rolle des allseits gefürchteten Todes, dem er aber ein gutes Maß an Menschlichkeit einhauchte. Sein kongenialer Partner war der Teufel in Person von Regisseur Brusche, der in unnachahmlicher Weise mit dem Publikum spielte. In den weiteren Rollen glänzten Luca Botschek (Alter Schmied), Emely Walch (Alte Schmiedin und Hebamme), Franz Böhm (Müller), Christoph Brandl (Fremder), Leo Appelmann (Schmiedgeselle), Elisabeth Biller (Schmiedgeselle) sowie Colleen Landmann und Samia Rachel (Engel).

Musikalischer Leiter und Löffelschlaglehrer Simon Berger begleitete die vielen aussagekräftigen Liedtexte stimmig mit der diadonischen Ziach. An der Technik bestand Carina Kraus ihre Feuertaufe und um die Maske und die Frisuren kümmerte sich Sophia Biller.

Die Premiere sei kaum noch zu toppen, freute sich Projektleiterin Doris Biller. Wer das ambitionierte Nachwuchsensemble hautnah erleben möchte, dem bieten sich noch fünf Gelegenheiten, am Freitag und Samstag sowie am 7., 8. und 9.  April, jeweils um 19.30 Uhr in der Theater-Strickerei. Karten gibt es unter der Telefonnummer 08661/18 00 und 0176/28 37 37 33. mmü

GRANDIOSE PREMIERE

„Etwas Tolles auf die Bühne gezaubert“

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Generationen von Kindern kennen und lieben die Geschichten um den „Mann mit den sieben Messern“, und bis zum 22. Januar treibt er auch noch in Grabenstätt sein Unwesen. Nach der umjubelten Premiere zeigt die Kindergruppe der Jungen Chiemseer Bühne Grabenstätt Otfried Preußlers Meisterwerk „Der Räuber Hotzenplotz“ noch vier Mal in der Theater Strickerei. Müller

Grabenstätt. – „So etwas habe ich in 35 Jahren nicht erlebt, dass Kinder von teilweise unter zehn Jahren so etwas Tolles auf die Bühne zaubern, schauspielern, singen und dann auch noch so fantastisch improvisieren“, freute sich Regisseur Gerhard Brusche am zweiten Weihnachtstag.

Soeben hatte sein Ensemble, die Kindergruppe der Jungen Chiemseer Bühne Grabenstätt, mit dem Otfried-Preußler-Stück „Der Räuber Hotzenplotz – Der Mann mit den sieben Messern“ eine grandiose Premiere auf den Bühnenbrettern der Theater Strickerei gefeiert.

Aber nicht nur er war begeistert: Auch der musikalische Leiter Ralph Glück und Projektleiterin Doris Biller strahlten mit den Kindern um die Wette, während der Applaus und die Bravo-Rufe kein Ende zu nehmen schienen.

Zwei Stunden zuvor hatte alles mit den Hilferufen von Kasperls Großmutter (Anna Liesting) begonnen. Sie musste hilflos mit ansehen, wie der skrupellose Räuber Hotzenplotz (Elisabeth Biller) sich ihre nagelneue Kaffeemühle unter den Nagel riss.

Der Verlust wiegt schwer, denn es handelt sich um ein besonderes Exemplar, das beim Mahlen sogar „Alles neu macht der Mai“ spielen kann.

Als Kasperl und Seppl, fantastisch gespielt von Colleen Landmann und Carola Schreiber, davon erfahren, beschließen sie die Mühle zurückzuholen und es entwickelt sich eine wilde und spannende Geschichte. Während der in sich ruhende Wachtmeister Dimpflmoser (Lorenzo Weinmann) bei der Verbrecherjagd lange Zeit im Dunkeln tappt, wird den „Privatdetektiven“ Kasperl und Seppl ihr jugendlicher Leichtsinn zum Verhängnis und sie landen in den Fängen des Räuber Hotzenplotz beziehungsweise des Zauberers Petrosilius Zwackelmann (Lucia Herschke), der unter anderem die Fee Amaryllis (Tessa Liesting) in eine Unke verwandelt.

Tierisch gute Darsteller sind auch Schorschi Krutzenbichler (Bär), Sophia Biller (Hund) in Vertretung für Emely Walch und Kathi Schreiber (Krokodil).

Wer erfahren will, ob die Geschichte doch noch ein versöhnliches Ende nimmt, was es mit der Goldkiste und dem Feenkraut und -ring auf sich hat, und warum der Wachtmeister am Ende einen Vogel verhaftet, dem bieten sich noch vier Gelegenheiten: Am Freitag, 6., Sonntag, 8., Samstag, 14. und Sonntag, 22. Januar, geht es jeweils um 17 Uhr in der Theater Strickerei, Chieminger straße 24 in Grabenstätt nochmals in den abenteuerlichen Räuberwald und ins Zauberschloss.

Schon allein die großartigen Gesangseinlagen der Nachwuchsdarsteller sind einen Besuch wert.

Kartenreservierung sind möglich im Internet unter www.theater-strickerei.de oder unter der Telefonnummer 0 86 61/18 00 beziehungsweise 0176/28 37 37 33. Karten gibt es auch eine Stunde vor Spielbeginn an der Abendkasse. Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt.

 

Das Chiemgau-Theater-Ensemble feiert mit »Frauen brauchen Pläne« eine erfolgreiche Uraufführung

Welchen Plan haben die beiden Freundinnen Elena (Katja Schanz, links) und Amanda (Emily Schmeller)? (Foto: Benekam)

Das Chiemgau-Theater-Ensemble hat mit seiner jüngsten Produktion, der rasanten Komödie »Frauen brauchen Pläne« von Susanne Feiner mit Katja Schanz als Elena und Emily Schmeller als Amanda unter der Regie von Max Berger, die Feuerprobe bestanden und in der Theaterstrickerei in Grabenstätt voll den Geschmack des Publikums getroffen.


Auf der Bühne in der Theaterstrickerei steht ein Bett mit bunter Bettdecke, vor dem Bett ein Sofa, an den Wänden hängen farbenfrohe abstrakte Gemälde. Alles wirkt ganz normal: Das Appartement einer jungen Frau – Elena (Bühnenbild und Kostüm: Sehr geschmackvoll von Maja Rumswinkel), die im Begriff ist, die letzten Vorbereitungen für den Besuch der Freundin Amanda abzuschließen.

Aber irgendwas ist seltsam. Die Gastgeberin wirkt in sich versunken, innerlich leer und abwesend. Als die quirlige Amanda eintritt, stellt diese mit großer Verwunderung fest, dass Elenas Appartement, ganz im Gegensatz zu sonst, aufgeräumt und ordentlich ist. Elena ist seltsam still. Auf die Fragen der beunruhigten Amanda gibt sie keine Antwort. Je mehr die überspannt wirkende Amanda insistiert und die Stimmung hochkocht, desto mehr windet sich Elena.

Hartnäckig wirkt Amanda auf die Freundin ein, bis diese endlich mit der Wahrheit rausrückt: Sie sei beruflich und privat gescheitert. Ihr Geschäft müsse sie schließen und ihr Freund Jakob habe sie verlassen. »Irgendwie wird es schon weitergehen«, versucht Amanda die resignierte Freundin aufzubauen. Als Elena verzweifelt ausruft »Ich will aber nicht, dass es irgendwie weitergeht. Wenn es nicht gut weitergeht, dann lieber gar nicht«, stellt sich heraus, dass die Freundin offenbar den Entschluss gefasst hat, aus dem Leben zu scheiden. Umbringen wolle sie sich nicht, sie beabsichtige, Kraft ihres Geistes ihr Herz zum Stillstand zu bringen.

Zwischen den Freundinnen entflammt eine leidenschaftliche Grundsatzdiskussion über Freundschaft, Glück, Männer, das Leben. »Wann weiß man, dass eine Entscheidung im Leben falsch war?«, will Amanda wissen. »Man weiß es, wenn man unglücklich ist«, bricht es aus Elena heraus. Als letzten Freundschaftsdienst bietet die inzwischen skeptisch gewordene Amanda ihrer Freundin an, sie beim »Sterben zu begleiten«.

Zwei Tage lang probiert Elena, hinüberzugleiten. Ohne Erfolg. Amanda macht sich längst keine Sorgen mehr. Sie glaubt den Grund für Elenas absonderliches Verhalten herausgefunden zu haben und dreht den Spieß aufs Kreativste um. Der bemitleidenswerten Elena wird eine Lügengeschichte nach der nächsten serviert: Kaum zu toppen sind die Ideen Amandas, deren allergrößtes Talent darin liegt, Pläne zu erstellen.

Hier kommt das Publikum aus dem Staunen und Lachen nicht mehr heraus. Bis zuletzt fragt sich der Zuschauer, was nun Wahrheit ist und was Lüge. Der Wandlungsfähigkeit der jungen Emily Schmeller – sprachlich und beim Körperausdruck – sind keine Grenzen gesetzt. Mit überschäumendem Temperament läuft sie zur Hochform auf und erntet mit der irritierten Elena einen Lacher nach dem nächsten.

Die angeblich lebensmüde Freundin gerät außer sich, vor allem als Amanda sich als transsexuell outet und eine prall gefüllte Dose Schlaftabletten zückt: »Lass es uns zusammen tun. Aber richtig.« Auch die angebliche Affäre mit Elenas Freund könne sie ja nun beichten, ihr Gewissen erleichtern, ihre Freundschaft »aufräumen«. Und genau das passiert schließlich: Die jungen Damen räumen ihre Freundschaft auf, sprechen sich aus, räumen festgefahrene Missverständnisse aus und werfen ihre Lügengeschichten über Bord.

Susanne Feiners Komödie ist aus dem Leben gegriffen und macht vom ersten Moment an gute Laune. In Bergers grandioser Inszenierung kommt die Geschichte frisch und farbenfroh daher, ist immer spannend und authentisch. Die beiden Schauspielerinnen überzeugen voll und ganz in ihren Rollen, glänzen mit ausgelassener Spielfreude und lassen in keinem Moment die Bande zum Publikum abreißen.

Das Premierenpublikum spendete lang anhaltenden, stürmischen Applaus für einen vergnüglichen, niveauvollen Theaterabend. Welche Pläne Frauen genau brauchen, und was nun genau Wahrheit oder Lüge ist, kann man sich noch am 9., 10., 11. und 12. März jeweils um 20 Uhr in der Theaterstrickerei Grabenstätt anschauen. Kirsten Benekam

Quelle: Traunsteiner Tagblatt

Weltliteratur: Die Geschichten schon vor 4000 Jahren erzählt

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Eine faszinierende und einzigartige Gesamtkomposition aus Wort und Klang, genossen die Zuschauer bei der Gilgamesch-Epos-Erzählung von Annette Hartmann in der Theater-Strickerei in Grabenstätt. Die Band „Triebwerk9“ sorgte für die passenden Klänge. Müller

Grabenstätt. – Es handelt sich um Geschichten, die schon vor 3000 oder gar 4000 Jahren zwischen Anatolien und Israel erzählt worden sind und die Menschen bis heute weltweit in ihren Bann ziehen und faszinieren.

Die Rede ist von der berühmtesten Erzählung des alten Orients und einer der ältesten überlieferten literarischen Dichtungen der Menschheit, dem Gilgamesch-Epos, das in Mesopotamien auf dem Gebiet des heutigen Irak spielt und zur Weltliteratur zählt.

Die Erzählerin Annette Hartmann hat sich diesem einzigartigen Kulturgut mit Akribie und Leidenschaft angenommen und entführte ihre Zuhörer in der ausverkauften Grabenstätter Theater-Strickerei ausdrucksstark in eine alte, ferne und geheimnisvolle Welt, in der es um Götter, Macht, Kampf und Wandlung geht. Begleitet wurden diese wortgewaltigen Bilder von besonderen Klängen, Tönen, Rhythmen und Gesängen der Band „Triebwerk9“ mit den äußerst vielseitigen und experimentierfreudigen Musikern Katharina Gruber-Trenker, Hannes Herzog und Uli Warkentin.

Zum Einsatz kamen besondere Instrumente wie ein Didgeridoo, eine indianische Flöte, ein Hang und eine Ocean-Drum, aber auch ungewöhnliche musikalische Hilfsmittel wie ein Regenrohr oder ein simples Stück Blech, mit denen die Musiker wie von Zauberhand Meeresrauschen, Wind und Wetter sowie verschiedenste Atmosphären und Stimmungslagen authentisch nachahmten. Die perfekte Ergänzung zu Hartmanns lebendigen Erzählungen über den vor 5000 Jahren über die sumerische Stadt Uruk tyrannisch herrschenden König Gilgamesch, der in dem wilden und mit den Gazellen in der Steppe lebenden Enkidu zunächst einen Todfeind, nach einem erbitterten Zweikampf aber einen guten Freund, Kampfgefährten und Wegbegleiter findet.

Nach vielen gemeinsamen Abenteuern mit Gilgamesch wurde der Mensch gewordene Enkidu als Strafe für seine Beteiligung an der Tötung des Himmelsstieres von den Göttern zum Tode verurteilt. Durch den Tod seines Freundes und Bruders Enkidu sei Gilgamesch, der in der Überlieferung als zwei Drittel Gott und ein Drittel Mensch beschrieben wird, so verzweifelt gewesen, dass er von nun an die Grenzen seines Daseins überwinden und unsterblich werden wollte, so Hartmann.

Sein Weg habe ihn deshalb zu dem Weisen Utnapischtim geführt, der als babylonischer Noah die Menschheit vor der Sintflut gerettet habe und von den Göttern mit Unsterblichkeit belohnt worden sei. Wenn er weiterleben wolle, könne das nur im Andenken der Menschen geschehen, wandte sich Utnapischtim an Gilgamesch und riet ihm, sich als König um die Benachteiligten zu kümmern.

Bis heute berührt das Gilgamesch-Epos jeden, der dazu bereit ist, sich mit dem tieferen Sinn des Lebens auseinanderzusetzen, denn erstmalig standen der Mensch und sein Wesen im Mittelpunkt, seine Erfahrungen und seine Rolle in der Gesellschaft. Ein Glücksfall, dass die Erzählerin Hartmann und „Triebwerk9“ vor rund eineinhalb Jahren zufällig aufeinandertrafen, sich im Gegensatz zu Gilgamesch und Enkidu sofort sympathisch waren und diese wunderbare Zusammenarbeit begründeten. „Wir machen ohne Noten Musik, das Normale können wir gar nicht“, verrieten die drei Musiker nach ihrem begeisternden Auftritt einigen Besuchern. Die gemeinsamen Gilgamesch-Aufführungen seien zwischen München und dem Chiemgau unglaublich gut angekommen, freute sich Hartmann, die mit ihrer mitreißenden Erzählkunst Jung und Alt gleichermaßen anspricht und auch viel an Schulen unterwegs ist.

Ensemble des Chiemgau-Theaters begeistert mit Taboris tragikomischer Hitler-Farce »Mein Kampf«

Ein Kunst-Stück gegen das Vergessen

Verhängnisvolles Zusammentreffen im Männerwohnheim: Sitzend Maximilian Berger als Lobkowitz, dahinter li. Patrick Brenner als Hitler und re. Andreas Schwankl als Schlomo Herzl. (Foto: Benekam)

Die Kunst darf alles! Auch – und vielleicht vor allem – durch groteskes Übertreiben verzweifelt verborgener Wahrheiten, aus der Versenkung des unbewusst Bewussten, ins grelle Licht der Erkenntnis rücken.


Wie tickt der Mensch? Wie lernt er am nachhaltigsten aus folgenschweren Fehlern? Wegschauen und negieren, ignorieren oder Verleugnen, Schönreden und sich durch kunstvoll-kreatives Verdrehen der Tatsachen aus der Affäre ziehen: So ist er in seinem psychosozialen Handeln hochdifferenziert. Kunst schafft Emotion und das bleibt eher haften als Moralpredigten, mag sich George Tabori, Jude, Regisseur, Autor und großartiger Schauspieler gedacht haben, als er für die Aufarbeitung seiner eigenen Vergangenheit (und die seiner Leidensgenossen) die Kunst wählte: Er verarbeitete den immer noch hoch brisanten Stoff 1987 in einem Bühnenstück über Hitler – »Mein Kampf«, führte Regie und übernahm selbst eine Rolle.

Dem Hass setzt er Liebe und Toleranz entgegen, entwaffnet so die Macht des Bösen. Das Ensemble des Chiemgautheaters feierte mit diesem Stück in einer Zeit, in der ein gesellschaftliches Erwachen und Handeln mehr als wünschenswert wäre, in seiner neuen Spielstätte, der »Theaterstrickerei« in Grabenstätt, Premiere. Unter der Regie von Maximilian Berger brachte das nur vierköpfige Ensemble Taboris Groteske in erfreulich schlüssiger und schnörkelloser Inszenierung auf die Bühne.

Noch vor Ausbruch des ersten Weltkrieges fällt der blutjunge Adolf Hitler (Patrick Brenner) mit einer großen Mappe unterm Arm und einer ebenso großen Klappe in einem Männerasyl in Wien ein. Sein Ziel, an der Kunstakademie zu studieren, ist ebenso desolat verfehlt wie es seinen menschlichen Manieren an Feinschliff mangelt. In der neuen Bleibe trifft er auf die beiden Juden Schlomo Herzl (Andreas Schwankl) und den leicht neurotischen arbeitslosen Koscher-Koch Lobkowitz (Maximilian Berger).

Klein-Hitler muss lernen sich anzupassen, muss sich von dem gewitzten Bibelverkäufer und Buchautor Herzel Manieren beibringen lassen und erleidet nach seiner verpatzten Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie eine tiefe Persönlichkeitskrise. Während Lobkowitz den wutschäumenden Gefühlsausbrüchen des trotzigen, in seinem Verhalten kleinkindhaften Hitler immer wieder mit verständnislosem Kopfschütteln begegnet, nimmt sich der großherzige Herzl des nun desillusionierten Hitzkopfes an.

Lobkowitz verschwindet genervt von der Bildfläche: »Wie du diesen Bauernjungen bemutterst, grenzt an Masochismus«, stellt er fest. Herzl begegnet dem verdrehten Jungen mit liebevoller, fast aufopferungsvoller Hingabe. Lobkowtiz’ Warnung »Die Liebe, Schlomo, ist lebensgefährlich«, schießt er in den Wind. Statt dessen päppelt er den offenbar lebensunfähigen verwöhnten Muttersohn auf, verwandelt ihn nach kunstvoller Schnurrbartstutzung und einer streng gescheitelten Frisur rein äußerlich in den Hitler, wie man ihn später kennen lernte. Hitler züchtet seinen Größenwahn, redet und tobt sich immer wieder in bis zur völligen Erschöpfung mündende Rage. Seine Tobsuchtsanfälle enden in Schrei- und Heulkrämpfen und zeigen seine lächerlich psychotischen Unzulänglichkeiten, aber auch seine Verbissenheit, mit der er seine Ziele umsetzt. Herzls Ratschlag, er solle in die Politik gehen, verfolgt er mit manischer Euphorie.

Als Herzls jugendliche Geliebte Gretchen (Janina Dötterl) dem jungen Mann begegnet, betrachtet sie ihn mit Argusaugen und versucht den Freak aus der Reserve zu locken – vergeblich. Auch als der Tod in Gestalt eines attraktiven Vollweibes (Janina Dötterl) Hitler als »Würgeengel zum Tod für andere« küren will, weil er als Leiche nur »mittelmäßig«, als Täter aber ein Naturtalent sei, bleibt er in seinem Verhalten zunächst eher linkisch. Dass gerade die Liebe eines Juden Hitler letztlich zum Massenmörder machte, zeigt mit frappierender Deutlichkeit das absurde Paradoxon um seine Figur.

Wie die groteske Farce im geschichtlichen Lauf endete, wissen wir. Wie Tabori diese bitterböse Verbindung von Liebe und Hass, Macht und Toleranz als Theaterautor hat enden lassen, kann und sollte man sich selbst in der kleinen, aber sehr schmucken Theater-Strickerei ansehen. Das Ensemble des Chiemgau-Theaters jedenfalls – und soviel sei verraten – hat das Stück zu einer Charakterstudie gemacht und schaffte mit symbolhaften Metaphern das genau dosierte Quantum an Sarkasmus, um die gewollte Botschaft zu vermitteln.

Alle Figuren sind authentisch in akribischer Körperarbeit bezüglich Gestik, Mimik herausgearbeitet. Eine schauspielerische Glanzleistung aller Darsteller, die in Sachen Professionalität ihresgleichen sucht und die nur so trieft vor Leidenschaft und Herzblut. »Es wird die Zeit kommen, in der das Schuhplattln wieder dem Donnern der Stiefeln weicht«, heißt es zum Schluss. Kunst darf nicht nur alles, Kunst hat auch die Aufgabe und Verpflichtung Stellung zu beziehen. Genau das tut das Ensemble mit dieser grandiosen Leistung. Großer Respekt und Riesenapplaus für die Macher der Theaterstickerei.

Quelle. Traunsteiner Tagblatt

BEREITS DREI UMJUBELTE AUFTRITTE

Publikum ganz aus dem Häuschen

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Die Mordermittlungen in der Pension „Monkwell Manor“ laufen auf Hochtouren, doch die Verdächtigen waschen ihre Hände in Unschuld. Müller

Grabenstätt. – Bereits drei umjubelte Auftritte feierte das Salztheater Traunstein mit seinem neuen Stück „The Mousetrap“, zu Deutsch „Die Mausefalle“ in der teilweise ausverkauften „Theater Strickerei“ in Grabenstätt.

Der „Krimi aller Krimis“ aus der Feder der legendären britischen Schriftstellerin Agatha Christie – der ursprünglich auch unter dem Namen „Die Fuchsjagd“ lief – wird seit 1952 täglich im Londoner West End erfolgreich aufgeführt und ist damit das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt.

Als bei der Grabenstätt-Premiere der Vorhang fiel, war der Applaus des begeisterten Publikums so laut und anhaltend, dass die „Mutter der Theater Strickerei“ Doris Biller womöglich bald selbst an der Bar den Gerstensaft ausschenken darf, denn sie hatte in der allgemeinen Euphorie um die Eröffnung der mit viel ehrenamtlicher Arbeit geschaffenen neuen Spielstätte der Jungen Chiemseer Bühne Grabenstätt, des Salztheaters Traunstein und des Chiemgau-Theater-Ensembles vollmundig versprochen: „Wenn wir es schaffen, die Fuchsjagd in einem Jahr immer noch zu spielen, dann gibt es für alle Freibier.“

Agatha Christie trank an ihrem Schreibtisch wohl eher Tee mit Milch, als sie in einem kleinen Vorort von London in den 1950er-Jahren den jungen Eheleuten Mollie und Giles Ralston, grandios gespielt von Juliane Grünbauer und Lukas Herschke, eine Pension eröffnen ließ. Während im Radio mehrfach über den Mord an einer älteren Frau in London berichtet wird und draußen ein unwetterartiger Schneesturm über das Land fegt, erwarten die Ralstons sichtlich nervös und noch etwas unbeholfen ihre unbekannten Gäste.

Nach und nach treffen in der Pension „Monkwell Manor“, die eigentlich „Monkswell Manor“ heißt – Giles Ralston hatte zum Ärger seiner Frau das „s“ im Schriftzug vergessen – fünf mehr oder weniger sonderbare und mit Vorsicht zu bewirtende Gäste ein: Die hemmungslose Möchtegern-Architektin Christin Wren, genial überdreht verkörpert von Manuela Golka, die mit sich und der Welt unzufriedene ältere Dame Mrs. Boyle, perfekt gespielt von Christine Pauli, der schneidige und sympathische Major Metcalf, den Regisseur Gerhard Brusche unnachahmlich auf die Bühne bringt, die weit gereiste Miss Casewell, die von Sonja Grünbauer gespielt wird, und der geheimnisvolle italienische Gentleman Mr. Paravicini, eine Rolle, die Kurt Lohwasser wie auf den Leib geschneidert ist und das obwohl er – man glaubt es kaum – der italienischen Sprache gar nicht mächtig ist.

Der im Radio (Sprecher Walter Hein) vermeldete Mord scheint erst ganz weit weg zu sein, doch als der in dieser Angelegenheit ermittelnde, Detective-Sergeant Trotter auf Skiern in der Pension eintraf, sehen sich die Gastgeber und Gäste plötzlich von lauter potenziellen Mördern umgeben.

Wer die bösen Geister rief, wird sie nicht mehr los, heißt es, und tatsächlich wird im Haus „Monkwell Manor“ bald ein Zimmer frei – kaltblütiger Mord! Aber warum, aus welchem Grund? Der Mörder muss noch im Haus sein, denn durch den dichten Schnee kommt keiner rein noch raus. Wird er noch einmal zuschlagen?

„Sie verschweigen mir etwas, ich möchte jetzt wissen, wo sie zur Tatzeit waren“, giftete der besorgte Detective-Sergeant, den Max Berger, Leiter des Chiemgau-Theater-Ensembles, fantastisch spielt und das, obwohl er für die anspruchsvolle Rolle erst vor 14 Tagen eingesprungen war.

Alle Beteiligten sitzen in der Mausefalle! Gibt es ein Entrinnen? Der oder die Mörder werden natürlich nicht verraten, ganz so wie es in London seit der Uraufführung im Jahr 1952 ungeschriebenes Gesetz ist, nur mit dem kleinen Unterschied, dass es dort niemals Freibier geben wird, in Grabenstätt womöglich in zwölf Monaten nach unzähligen Zusatzaufführungen schon. Weitere Auftritte folgen am heutigen Mittwoch sowie morgen, Donnerstag, und Freitag, 2. Dezember, jeweils um 20 Uhr in der „Theater Strickerei“, Chieminger Straße 24, in Grabenstätt. Karten gibt es unter Telefon 0176/28 37 37 33 und im Internet auf salztheater-traun stein.de.

Statt mit Wolle wird in der »Theater Strickerei« mit Kreativität, Fantasie, Leidenschaft und Ehrgeiz gestrickt

In Grabenstätt wird künftig Kunst »gestrickt«

Aufführung der Bremer Stadtmusikanten: (von links) Emely Walch, Sophia Biller, Christoph Brandl und Lena Brandl von der Jungen Chiemseer Bühne. (Foto: Müller)

Das reichhaltige Grabenstätter Kulturleben ist um eine weitere Attraktion reicher. Mit der Eröffnung der Kleinkunstbühne »Theater Strickerei« im hinteren Gebäudetrakt der ehemaligen Firma Seidel, Chieminger Straße 24, ist für die Junge Chiemseer Bühne und ihre Kooperationspartnern Salztheater Traunstein und Chiemgau Theater Ensemble ein Traum in Erfüllung gegangen.

 

Acht Monate dauerte der aufwendige Umbau, der mit großer Unterstützung ortsansässiger Firmen und weit über 1000 ehrenamtlich aufgebrachten Arbeitsstunden erfolgreich bewältigt werden konnte. Auch vom Timing her war es am Ende Maßarbeit, denn nicht nur der letzte Nagel wurde erst kurz vor der Eröffnung in die Wand geschlagen, sondern auch einige Behörden gaben alles, um pünktlich »grünes Licht« geben zu können.

»Es war ein langer, nicht ganz leichter Weg mit einer Punktlandung am Ende«, strahlte der 1. Vorsitzende der Jugendtheater, -Musik und -Kunst AG, Rudi Rett, und machte keinen Hehl daraus, dass allen eine Riesenlast von den Schultern gefallen sei. Nun stehe dem gemeinsamen Kulturprojekt nichts mehr im Weg.

»Es freut uns sehr, dass so viele Gäste zur Eröffnung gekommen sind und der mit 80 Sitzplätzen ausgestattete Aufführungsraum übervoll ist«, betonte der 1. Jugendvorstand Lukas Herschke und machte gleich einmal Werbung in künstlerischer Sache: »Wir behaupten, wir sind absolute Strickprofis. Allerdings stricken wir nicht mit Wolle oder anderen Fäden. Unsere Materialien sind Kreativität, Fantasie, Leidenschaft, Motivation, Ehrgeiz, die Freude am künstlerischen Schaffen und vieles mehr«. Für Herschke ist klar, dass die Räume der Theater Strickerei »schon bald mit Lampenfieber, Leidenschaft und Lust auf die Darbietung gefüllt sein werden« und deswegen lade man insbesondere junge Künstler ein, »ihr Können und damit ihr Strickwerk auf dieser neu geschaffenen Plattform zu präsentieren«. Die Theater Strickerei stehe erst ganz am Anfang, aber die Visionen seien groß.

»Es ist eine Selbstverständlichkeit, die Jugend zu fördern, denn sie ist unsere Zukunft«, meinte Schirmherr Baron Dieter Freiherr von Wrede aus Grabenstätt. Auf der Theaterbühne könne man viel fürs Leben lernen. Was der 2010 gegründete Verein Jugendtheater, -Musik und -Kunst AG und die Junge Chiemseer Bühne, das vormalige Jugendtheater Grabenstätt, in kurzer Zeit geschaffen hätten, sei nicht normal. Mit dem 2014 in Salzburg verliehenen »Papageno-Award«-Anerkennungspreis Goldener Vogel für die beste Produktion »hat die Gruppe den Vogel abgeschossen«, lobte von Wrede. Ein Sonderlob verteilte er an Doris Biller, die »Mutter« der Jungen Chiemseer Bühne, und zeigte sich vom Erfolg der Kleinkunstbühne überzeugt.

Von einem »großen Werk« sprach auch Bürgermeister Georg Schützinger und wünschte der Theater Strickerei viele schöne Aufführungen und dass sich Jung und Alt hier zuhause fühlen. Doris Biller bedankte sich bei der Gemeinde, beim Landratsamt und Landrat Siegfried Walch für die großartige Unterstützung und lobte die vielen Sponsoren, die man im Eingangsbereich mit Kulturbausteinen entsprechend gewürdigt habe. »Ohne die vielen Helfer wäre es nicht gegangen«, so Rett. »Mit unserer neuen Spielstätte sind wir jetzt auch nicht mehr abhängig von anderen«, freute sich der Chef des Salztheaters Traunstein und Regisseur der Jungen Chiemseer Bühne, Gerhard Brusche, der es kaum erwarten konnte, mit seinem Kollegen Max Berger vom Chiemgau Theater Ensemble die Bühne zu stürmen. Es sei großartig, »Teil dieser neuen Kulturstätte mitten im Chiemgau sein zu dürfen«, meinte Berger und gratulierte der Gemeinde Grabenstätt dazu, jetzt so eine »Perle hier im Ort zu haben«.

Für die passenden Klänge zwischendurch sorgten Musiker und Sänger Michi Lermer und Sängerin Brigitte Bichler. Und auch die ersten Theaterkostproben kamen bestens an. Die Junge Chiemseer Bühne zeigte eine besondere Fassung der Bremer Stadtmusikanten, mit der sie bereits bei den Chiemgauer Kulturtagen begeistert hatten.

Die dem Grabenstätter Jugendtheater entsprungenen ambitionierten Nachwuchsdarsteller Lukas Herschke und Juliane Grünbauer, mittlerweile in Diensten des Salztheaters Traunstein, zeigten mit ihrem langjährigen Regisseur Gerhard Brusche eine improvisierte Theaterprobe ihres aktuellen Krimistücks »Die Mausefalle« von Agatha Christie. Die Premiere ist am 24. November in der »Theater Strickerei«. Weitere Aufführungen des Salztheaters Traunstein folgen dort am 25., 26. und 30. November sowie am 1. und 2. Dezember.

Den Auftakt machte bereits das Chiemgau Theater Ensemble, das mit dem Stück »Fräulein Julie« Premiere feierte. Es folgen weitere Auftritte am 11., 12., 13., 19. und 20. November. Im Dezember bringen sie dann das Weihnachtsstück »Mein Kampf« und im Januar »Jeykyll&Hyde« zur Aufführung. Die Kindergruppe der Jungen Chiemseer Bühne zeigt zur Jahreswende den »Räuber Hotzenplotz«. Im März folgt dann die Junge Chiemseer Bühne mit dem klassischen Stück »Birnbaum und Hollerstauden«. Als unterhaltsame Moderatoren bei der Kleinkunstbühneneröffnung fungierten Emely Walch und Christoph Brandl.

Weitere Informationen gibt es auf der Facebook-Seite der Theater Strickerei und auf der Homepage www.theater-strickerei.de. Markus Müller